What have you done? – What I had to

Starcraft 2 – Heart of the Swarm hat richtig Spaß gemacht – aber war für mich sehr schnell durchgespielt. Es fühlte sich ungeheuer kurz an, wobei das auch daran liegen mag, da ich im Battlenet auch immer als Zerg unterwegs war, dass ich einfach direkt schon wusste, was und wie ich gegen eine KI vorgehen muss. Da waren die meisten Missionen im Handumdrehen geschafft; wobei ich es zunächst auf „normal“ gespielt habe, weil ich zunächst die Geschichte erleben wollte.

Und die ist echt gut. Während ich gestehen muss, dass Wings of Liberty zwar nett war, aber mich von der Geschichte weder überrascht noch mitgerissen hat, ist Heart of the Swarm handwerklich um Längen besser erzählt. Ich bin kein großer Kerrigan-Fan, aber HotS hat mich zu einem gemacht, denn sie haben mich direkt am Anfang mit einem nicht unbedingt überraschenden, aber verdammt guten dramatic hook abgeholt. Das fehlte mir in Wings of Liberty auf die Weise.

Ab diesem dramatic hook rollt die Geschichte so richtig an. Überraschend und wirklich wendungsreich wird sie nie, aber dafür besticht sie auf anderer Ebene: Es hat schon fast shakespearische Ausmaße, wie man als Zuschauer dasitzt und mit ansehen muss, was Kerrigan macht und sich die ganze Zeit denkt „Nein! Mach das nicht! Das geht nach hinten los!“. Man rollt immer weiter und leidet mit und das war auch der Punkt, wo ich zum ersten Mal überhaupt eine Bindung zu Kerrigan als Charakter aufbauen konnte; das hat mich wahnsinnig mitgerissen.

Auch mochte ich, wie viel Seele auf einmal die Zerg bekommen haben, während sie vorher doch eher ein gesichtsloser Haufen waren, gab es plötzlich Charaktere und Profile und Eigenheiten – und Herz! Sie haben also genau das geliefert, was sie mit dem Titel angedeutet haben und das gefällt mir. Handwerklich ist HotS also deutlich besser gelungen als WoL.

Schade nur, dass nicht alle drei Kampagnen zusammen ausgeliefert wurden, denn für mich fühlte es sich wie ein Add-on an; und nicht wie ein Vollpreisspiel. Ich hätte durchaus auch mehr für den gesamten Titel bezahlt, wenn alle drei Kampagnen dabei gewesen wären. Aber so? Dieses gestückelte wirkt, als ob man ein volles Spiel hatte und das jetzt in drei Teile aufspaltet, um die Einkaufszahlen zu verdreifachen. Das ist schade und an sich sollte man es abstrafen.

Dennoch bereue ich das Geld nicht, das ich für Heart of the Swarm bezahlt habe – und Blizzard hat sich das Geld verdient, das steht außer Frage. Denn ist einfach gut. Dennoch ist es eine gewisse Unverschämtheit auf diese Weise dreimal abzukassieren. Dann doch lieber alle drei Kampagnen zusammen für 100 Euro, wenn sie denn schon mehr damit verdienen wollen. Aber am Ende von HotS habe ich mich auch ein wenig unzufrieden zurückgelassen gefühlt – noch mehr als bei WoL. Dafür war der Weg dorthin aber sehr befriedigend und gut. Daher kann ich darüber hinwegsehen und ein Auge zudrücken.

Trotzdem … wenn das Spiel nicht so gut wäre diesmal, dann würde ich darüber wohl mehr zetern. So ist es ein Zähneknirschen und das Gefühl, dass es eigentlich nicht richtig ist, wie das alles vermarktet wird.

Ich mag aber diese shakespear’sche Tragödie, die sie reingebracht haben. Das hat mir so richtig viel Spaß bei dem allem gemacht und hat mich ein wenig an mein Leiden erinnert, jedes Mal, wenn ich irgendeine Interpretation von Othello sehe.

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