Stand together or die alone

Noch etwas, bei dem ich derzeit viel, viel Spaß habe: Defiance. Ich bin doch überrascht, wie sehr dieses Spiel schlecht geredet wird an manchen Stellen – manches habe ich gehört, manches gelesen. Einiges an Problemen mag ich nicht mitbekommen haben, da ich zu Release erst lange runterladen musste. Doch mir scheint es übertrieben und es wirkt mehr und mehr auf mich, dass die Ansprüche unverhältnismäßig hoch mittlerweile sind und die Vergangenheit mit einer solchen Naivität glorifiziert wird, dass es erstaunlich ist.

Eine Sache kann ich allerdings durchaus bestätigen bei den Problemen von Defiance: Der Launcher ist ein ziemlicher Rotz. Auf meinem Karlsruher Rechner mit Windows XP läuft er normal, patcht auch gut, aber stürzt gerne mal ab. Außerdem friert mein kompletter Rechner ein, wenn ich das Spiel beenden will; daher beende ich es mittlerweile, indem ich Defiance im Fenstermodus spiele und dann auf das X rechts oben klicke.

Auf meinem Rechner mit Windows 7 in Frankfurt hingegen ist der Launcher ewig lahm, baut sich nur stückchenweise auf und wollte erst lange, lange Zeit nicht patchen. Viel habe ich da probiert, aber nach einem kurzen Moment, in dem der Launcher viel runtergeladen hatte, sank die Download-Rate drastisch. Vielleicht lag es an den Servern, denn da lief vieles nicht rund, was auch Trion bereits bestätigte. Samstag morgen hatte ich es zum Glück dann jedoch heruntergeladen.

Abseits davon? Ja, das Interface ist fürchterlich. Es ist außerdem ätzend, dass man automatisch in einen Voice-Chat gezwungen wird, sobald man in Gruppe geht und das bei jeder Gruppe erneut einstellen muss. Ich hoffe, das reparieren sie bald.

Aber sonst? Meine Güte habe ich einen Spaß! Einfach durch die Gegend fahren, aus dem Auto springen und BÄM, BÄM, BÄM! Zusammen mit Kumpels? Großartig! Das hat was. Das kann sich natürlich schnell abnutzen, aber für mich ist Defiance ein Spiel, das ich gerne spiele, aber auch nicht ständig. Für immer mal wieder zwischendurch eignet es sich gut und da es keine Abogebühren hat, sondern nur den Kaufpreis braucht, passiert da dann auch nichts Schlimmes. Selbst wenn ich der ganzen Mechaniken mal überdrüssig werden sollte, liegt es bei mir vielleicht mal ein paar Wochen herum und dann spiele ich es wieder.

Defiance ist ein MMO-Third-Person-Shooter – kein MMORPG. Es ist ein Hybrid, der sich zwar auch aus dem MMORPG-Genre bedient, aber so ein Zwischending zwischen Shooter und MMORPG ist. Die Queststrukturen sind ungeheuer klassisch, aber auch da orientiert es sich eher an den Rifts aus Rift oder den dynamischen Events aus GW2 – und zumindest letztere sind nun auch nicht gerade der heilige Gral der Innovation, zu denen sie gerne hochstilisiert werden, denn letzten Endes hockt da immer noch die gleiche MMO-Struktur dahinter.

Es gibt Leute in den Foren, die sich beschweren. Aber worüber? Dass die Events schlechten Loot geben und was sie denn machen sollen, wenn die Quests vorbei sind. Über fehlende Langzeitmotivation jammern sie, nachdem sie offensichtlich die ersten Tage mindestens 4 Stunden pro Tag an Defiance gesessen haben. Das sind die gleichen Leute, die sich zu Wrath of the Lich King in WoW zwei Wochen Urlaub genommen haben, ganz flott Maxlevel wurden und sich dann wunderten, warum: a) keiner mit ihnen spielt, weil kaum jemand schon so hoch ist und b) der Content so schnell vorbei war.

Hier bei Defiance erkennt man sehr schön den Unterschied zwischen den mittlerweile absolut verzogenen MMORPG-Spielern und den Shooter-Spielern. Denn das ist das Gejammer der MMORPGler. Die Shooter-Spieler antworten dann meist darauf: „Ich ballere Sachen um und habe Spaß dabei.“ Die machen es nicht, weil es Loot gibt oder man dann der mit dem glitzernden Schwert auf dem Server ist. Die machen es, weil es da ist. Ihr erinnert euch an die Geschichte in Star Trek V mit Spock, als dieser fragt, warum man einen Berg besteigt und Kirk sagt: „Weil er da ist!“

Da liegt auch der Spaß bei Defiance und ich wage zu behaupten, auch bei anderen Spielern. Nur haben moderne MMORPGler das leider verlernt. Beim Spielen geht es um das Spielen, um Spaß – nicht um Loot, nicht um Item-Spirale, nicht um Progress. Klar, das kann auch Spaß machen, aber wenn das das Einzige ist, woraus man Spaß zieht, dann läuft da was gehörig falsch.

Gerade in einer Gruppe mit Kumpels macht Defiance noch einmal einen Tick mehr Spaß, auch wenn das Phasing bei den Missionen an mancher Stelle unglücklich ist; und ich hoffe, auch das reparieren sie. Denn da will ich ganz ehrlich sein: Defiance hat einige Mängel, die vor allen Dingen im technischen Bereich liegen.

Die Fernsehserie dürfte schuld sein, dass der Titel vielleicht doch ein paar Wochen oder gar Monate zu früh rausgehauen wurde und dass man das jetzt sieht. Aber das ist verschmerzbar, denn da gab es schon unfertigere Produkte. An sich fühlt es sich abgesehen von manchen Bugs ungeheuer rund und spaßig an.

Ich habe den Season Pass mir einfach mal im blinden Vertrauen auf Trion geholt und das bedeutet, dass ich wohl irgendwann in der nächsten Zeit eine oder mehrere neue Rassen als DLC bekomme. Daher bin ich am Überlegen, ob ich dann nicht einen neuen Charakter als Let’s-Play hochlevele. Das könnte spaßig sein und vielleicht auch ein wenig vom Spiel zeigen und vielleicht ein paar Bedenken zerstreuen. Wobei ich natürlich auch gerne hier schriftlich Fragen zum Spiel beantworte.

Aber in der Zwischenzeit hat TB einen netten zweiten ersten Eindruck zu Defiance gemacht – im ersten ersten Eindruck hat er sich über die KI im Tutorial beschwert. Na, das hätte man sich aber auch echt denken können, oder? Die Kritik fand ich albern, aber er revidiert diese zum Glück ein wenig in diesem Video, das recht schön zeigt, was cool ist, was Mist ist und was richtig, richtig geil ist und begeistert.

Wer neugierig ist, der schaue sich also einfach mal das hier an:

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