Beyond Ending

Ich bin beeindruckt. Endlich habe ich Beyond: Two Souls zu Ende gespielt. Zugegeben, ich war anfangs skeptisch. Heavy Rain hatte mich nie wirklich gepackt und ich hasse eigentlich Quick-Time-Events. Aber Beyond ist eine so schöne Geschichte, hat so tolle Charaktere und verwebt das zu so einer guten Interaktivität, dass mich das echt mitgerissen hat.

An sich könnte man sagen, ich habe ein ganzes Leben nun durchlebt dank dieses Spiels. Denn man begleitet den Hauptcharakter durch ganz unterschiedliche Stufen ihres Lebens. Das ein wenig wirr und nicht chronologisch, was es hier und da ein wenig merkwürdig macht und auch die Entscheidungen, die man trifft, sind dann nicht mehr ganz so konsistent; oder wirkten es zumindest anfangs. Im Nachhinein konnte ich mir sogar zurechtrücken, warum ich Jodie in manchen Situation auf bestimmte Art hatte handeln lassen. Hätte ich zu dem Zeitpunkt gewusst, was vorher passiert war, hätte ich vermutlich anders gehandelt. Aber es machte dennoch Sinn.

Ich habe Fehler gemacht in Jodies Leben und habe damit gelebt. Ich habe weniger gespielt, um zu gewinnen, sondern es war wirklich mehr Method Acting an vielen Stellen, da ich einfach sehr impulsiv entschieden habe und überlegt habe, wie sie oder Aiden reagieren. Das war ungeheuer spannend und ich bin beeindruckt, dass ich am Ende dennoch ein so positives Ende hinbekommen habe. Denn ich dachte schon, dank vieler falscher Entscheidungen, dass es nicht gut ausgeht. Ging es auch letzten Endes nicht, aber wenigstens für Jodie auf gewisse Weise dann doch.

Was finde ich nun beeindruckend? Eigentlich ist es weniger ein Spiel. Es ist mehr ein Spiel als Heavy Rain, aber dennoch bleibt es eine interaktive Geschichte mit fürchterlichen QTE. Die gehen sogar größtenteils. Was ich gerade in der Endszene allerdings bemängeln musste, waren die QTE, in denen ich wie bekloppt auf eine Taste hämmern musste und das mehrfach auf verschiedene Tasten in kurzen Abständen. Ich bin da ehrlich: Mir hat mein Finger irgendwann weh getan. Ich musste die Szene unterbrechen, aufstehen, mir in Ruhe ein Brot machen, um danach wieder ohne schmerzenden Finger weiterspielen zu können. Die Szene war aber überaus dramatisch und ich wollte wissen, wie es weitergeht. Mich hat es geärgert, dass ich sie wegen einer solch technischen Sache unterbrechen musste.

Zum Glück sind die QTE allerdings größtenteils sogar fair und angenehm im Rest des Spiels. Nur an dieser Stelle war es echt atmosphärestörend, während es vorher mich eher mit den Charakteren verwoben hat – und das ist, was mich beeindruckt! Ich habe wirklich richtig mitgefühlt mit ihnen und habe wirklich gelitten, wenn schlimme Dinge passiert sind oder die Charaktere traurig oder frustriert oder in einer misslichen Lage waren. Das kann so kein Film – zumindest hat es noch keiner geschafft. Ich war wirklich mittendrin und habe alles so nah erlebt, wie ich es selten bisher mitbekommen habe. Da hilft vermutlich auch generell mein doch eher empathisches Talent für solche Dinge. Aber das ist, was das Spiel für mich so herausragend macht.

Ich mag keine QTE, ich mag eigentlich auch keine interaktiven Filme, aber Beyond: Two Souls hat es größtenteils genau richtig gemacht. Es hat mich berührt, es hat mich bewegt, es hat mir Ideen mit auf den Weg gegeben, es hat mich nachdenken lassen und es wird mir lange, sehr lange in Erinnerung bleiben. Das ist, was ich mit „beeindruckend“ anfangs meinte. Dieses Spiel hat mich nicht kalt gelassen und auch wenn es natürlich ein glatt gebügelter Blockbuster ist und wenn viele wieder über die großen Spielehersteller schimpfen, solche Spiele zu schaffen ist ein Kunstwerk.