The curse of a vivid mind

Wir haben eine neue Serie angefangen: The Mentalist. Die habe ich schon seit längerer Zeit auf dem Schirm, aber bisher noch nicht reingeschaut. Meine Befürchtung war, dass der Hauptcharakter doch zu arrogant wäre.

Wie ich darauf komme? Dazu muss ich ein wenig ausholen. Es gibt da eine ganze Reihe von ähnlichen Krimi-Serien, die eine Zeit lang herausgekommen sind. Dabei wurden hauptsächlich irgendwelche gestörten oder unsympathischen Geister als Hauptfiguren genommen. Das war ein kleiner Umschwung zu den üblichen Hauptfiguren bei Krimis. Ja, nicht ganz, wenn man Sherlock Holmes sich einmal ansieht, ging es dadurch sogar wieder ein mehr „back to the roots“. Dennoch war es etwas Neues.

Aus dieser ganzen Reihe konnte ich mich bisher nur für Monk erwärmen. Auch da hatte ich zunächst Berührungsängste, denn auch hier gefiel mir die Hauptprämisse des Charakters nicht. Als ich jedoch dann durch subtile Überredungskünste meiner Frau (sprich: sie ließ es beim Essen im Hintergrund laufen) doch ein paar Mal hängen blieb, bemerkte ich, dass ich den Hauptcharakter doch spannend und interessant fand – und sogar teilweise mit ihm mitfühlen konnte. Das gefiel mir. Möglich also, dass ich all diesen anderen Serien auch unrecht tue. Trotzdem konnte ich mich bisher weder für Dexter noch für Dr. House erwärmen – und werde ihnen wohl auch keine Chance geben.

Nachdem wir aber mit Monk durch waren, fehlte mir irgendwie so eine Serie; besonders da wir bei Castle auf die nächste Staffel warten. In einer Kurzschlusshandlung besorgte ich mir dann die erste Staffel von The Mentalist mit dem Gedanken: „Was kann ich für 10 Euro schon falsch machen?“ Außerdem schien mir das Konzept spannend und ich hatte die Hoffnung, dass der Hauptcharakter doch nicht so unsympathisch ist, wie er bisher von kurzen Ausschnitten und den Switch-Parodien auf mich wirkte.

River flows in you

Ich bin froh darüber, dass es Dinge gibt, die mich berühren. Wer mich kennt weiß, dass dies bei mir in erster Linie Geschichten sind – Filme, Serien, Bücher, Animes. Gerade Animes haben es mir da angetan, auch wenn diese von vielen als Kinderkram abgetan werden. Doch was ich da an philosophischem Unterbau schon entdeckt habe, ist erstaunlich. An sich müsste ich Animes auch direkt bei „Serien“ einordnen, denn da gehören sie rein. Und doch schaffen Animes es irgendwie zielsicherer, etwas bei mir zu berühren, das mich teilweise noch Jahre bewegt – und das schaffen deutlich weniger normale Serien.

Wie ich darauf komme? Gerade lausche ich einmal wieder der Musik von Angel Beats!, einem Anime, bei dem ich anfangs dachte: „Joah, ist nett, aber irgendwie packt es mich nicht ganz.“ Mit den Folgen kam es dann aber und ich bin immer noch so froh, dass ich mich am Anfang durchgebissen habe, denn es gibt zwei Momente in diesem Anime, die mich wohl nie loslassen werden und für die ich ihm ungeheuer dankbar bin; darüber hatte ich schon einmal geschrieben.

Ich bin nur erstaunt, dass nach all der Zeit, die ich den Anime nun schon nicht mehr gesehen habe, diese Momente mich so berührt haben, dass das Ending-Lied von Angel Beats! mich einerseits absolut melancholisch stimmt, aber irgendwie auch hoffnungsvoll. Denn das ist das Absurde an diesem Anime: Es geht um Freundschaft, es geht um Einsamkeit, es geht um Tod, es geht um Verlust. Diese zwei Momente, die ich da andeute, die mich berührt haben, sind ungeheuer tragisch und haben mir wirklich beim Sehen das Herz zerrissen. Aber irgendwie waren sie auch schön und das ist eine wundervolle Kunst, einen solchen Moment einzufangen, der zwar ungeheuer tragisch und traurig, aber auch wunderschön ist.

Das verbinde ich mit diesem Lied, denn wie ihr an dem Text im Video sehen könnt, geht es genau darum – dieses bittersüße Kämpfen:

Captain Obvious vs. the sickness

Dinge, die nicht hilfreich sind: Wenn man krank ist, von allen Ecken gesagt zu bekommen: „Du siehst aber nicht gut aus.“ Das ist schön, dass es noch jemand sieht, aber es hilft nicht, wenn man sich durchbeißt, weil man sowieso nicht krank genug ist, um krankgeschrieben zu werden. Ich will gar nicht abstreiten, dass das gut gemeint ist, aber es verstärkt dieses Gefühl einfach nur.

Wenn man ständig gesagt bekommt: „Du siehst aber mies aus“, dann fühlt man sich auch so. Sofern man also nicht mehr zu sagen hat, wäre es sogar hilfreicher und netter einfach zu sagen: „Oh, das tut mir leid, dass es dir noch nicht besser geht.“ Der Unterschied ist klein, aber wichtig. Denn bei dem einen verstärkt man ein Gefühl im Gegenüber, bei dem anderen zeigt man einfach sein Mitgefühl und das wiederum kann sogar helfen.

Distress signal

Das war eine lange Pause! Aber es war wirklich viel zu tun und ich hatte wenig Kopf hier für das Blog. Hinzu kam auch noch ein grippaler Infekt, den ich nun schon seit meinem Urlaub wohl ein wenig mit mir rumgeschleppt habe und der vor knapp zwei Wochen dann doch so langsam raus wollte – und immer noch nicht ganz ausgestanden ist. Das ist ein sehr widerstandsfähiges und ärgerliches Vieh!

Vor allen Dingen, da es mich einfach schlapp und müde macht. Das ist ungeheuer ungünstig, wenn man hauptsächlich mit dem Kopf arbeitet und kreativ tätig ist, aber sich alles so dick und müde und mühsam anfühlt, dass es ungeheure Anstrengungen kostet, sich zu konzentrieren. Das ist dann auch mit einer der Gründe, warum ich das bischen Energie, das mir noch blieb, nicht hier verschwenden wollte. Doch so langsam geht es wieder – hoffentlich. Toi, toi, toi.

Auch mit einer der Gründe war, dass ich mal wieder den Fehler begangen hatte, vermehrt NWN2 zu spielen und vielleicht erinnert man sich: Die NWN2-Community ist eine fürchterliche Rollenspieler-Community. Was da an IC und OOC ständig verwischt wird, wie da Grüppchen gebildet werden und sogar gemobbt wird, habe ich bisher in noch keiner Community gesehen. Zwar ist die LoL-Community sicherlich härter und fieser, aber da das alles bei NWN2 auch viel persönlicher und näher ist, wage ich zu behaupten, dass es dort dafür mehr an der Seele nagt. Das ist, was sicherlich auch nicht gerade gut für mich die letzte Zeit war und auch viel von meinen Gedanken und Energien aufgesaugt hat. Doch ich hoffe, dass auch hier so langsam der Berg erklommen ist.

Wie das weitergeht? Wir werden es sehen. Zunächst einmal hoffe ich, dass weder Frühjahrsmüdigkeit noch dieser dämliche grippale Infekt, noch diese Mobbingnachwirkungen mich jetzt wieder von meiner üblichen Produktivität abhalten. Denn es nervte so langsam.