The curse of a vivid mind

Wir haben eine neue Serie angefangen: The Mentalist. Die habe ich schon seit längerer Zeit auf dem Schirm, aber bisher noch nicht reingeschaut. Meine Befürchtung war, dass der Hauptcharakter doch zu arrogant wäre.

Wie ich darauf komme? Dazu muss ich ein wenig ausholen. Es gibt da eine ganze Reihe von ähnlichen Krimi-Serien, die eine Zeit lang herausgekommen sind. Dabei wurden hauptsächlich irgendwelche gestörten oder unsympathischen Geister als Hauptfiguren genommen. Das war ein kleiner Umschwung zu den üblichen Hauptfiguren bei Krimis. Ja, nicht ganz, wenn man Sherlock Holmes sich einmal ansieht, ging es dadurch sogar wieder ein mehr „back to the roots“. Dennoch war es etwas Neues.

Aus dieser ganzen Reihe konnte ich mich bisher nur für Monk erwärmen. Auch da hatte ich zunächst Berührungsängste, denn auch hier gefiel mir die Hauptprämisse des Charakters nicht. Als ich jedoch dann durch subtile Überredungskünste meiner Frau (sprich: sie ließ es beim Essen im Hintergrund laufen) doch ein paar Mal hängen blieb, bemerkte ich, dass ich den Hauptcharakter doch spannend und interessant fand – und sogar teilweise mit ihm mitfühlen konnte. Das gefiel mir. Möglich also, dass ich all diesen anderen Serien auch unrecht tue. Trotzdem konnte ich mich bisher weder für Dexter noch für Dr. House erwärmen – und werde ihnen wohl auch keine Chance geben.

Nachdem wir aber mit Monk durch waren, fehlte mir irgendwie so eine Serie; besonders da wir bei Castle auf die nächste Staffel warten. In einer Kurzschlusshandlung besorgte ich mir dann die erste Staffel von The Mentalist mit dem Gedanken: „Was kann ich für 10 Euro schon falsch machen?“ Außerdem schien mir das Konzept spannend und ich hatte die Hoffnung, dass der Hauptcharakter doch nicht so unsympathisch ist, wie er bisher von kurzen Ausschnitten und den Switch-Parodien auf mich wirkte.

Ich bin extrem positiv angetan von der Serie und hatte etwas leicht Anderes erwartet. Der Hauptcharakter ist weitaus weniger arrogant, als ich vermutete. Er ist schlicht selbstbewusst. Außerdem gefällt mir sehr, dass er nur so tut, als ob er über allem steht. Wenn man sich einige Szenen genau anschaut, zeigt die Serie sehr deutlich, dass er mit vielen Dingen eben nicht fertig wird. Damit dekonstruiert die Serie den Mythos der eigenen Hauptfigur. Das gefällt mir ausgesprochen gut!

Patrick Jane ist ein überaus spannender und tiefer Charakter, den ich so nicht erwartet hatte. Aber auch die anderen Charaktere kommen wirklich nicht zu kurz. Anders als bei Monk haben diese allesamt regelmäßig richtig coole Szenen, in denen sie dem Hauptcharakter sogar mal überlegen sind oder Dinge einfach besser können.

Damit ist The Mentalist wohl wirklich eher wie Castle und weniger wie Monk. Es gibt starke Nebenfiguren, es wird extrem viel Wert auf Charakterzeichnungen gelegt und es sind häufig stille Momente, die zum Profil eines Charakters beitragen – und die Serie hämmert nicht immer die Bedeutung direkt drauf, so dass manches bei vielen Zuschauern vermutlich unbemerkt bleibt.

Doch, das gefällt mir sehr und ich bin sehr froh über meinen Spontankauf.

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