Stick with me

Der Headstart von „Rift“ verlief ziemlich reibungslos – das war allerdings vorherzusehen. Trion macht bisher einen wirklich guten Job. Es gibt natürlich Kleinigkeiten, die auch mir nicht gefallen haben. Beispielsweise hatte der „PvE-Rp“-Server Akala eine zu enge Spalte, so dass man in der Serverauswahl nur das „PvE-“ sah, weswegen sich viele auf den Server verirrt haben, die nicht wussten, dass es ein Rollenspielserver ist. Trotzdem hat Trion das bereits einen Tag danach ausgebessert. Auch der Ruf nach dem PvP-Rp-Server „Feenring“ wurde erhört, nachdem er zwar bei den Beta-Events da war, aber zum Headstart nicht existierte.

Sicherlich gibt es Kleinigkeiten, die schief laufen, aber allein dadurch und die Schnelligkeit, mit der auf solche Sachen eingegangen wird, zeigen die Kundennähe, die mich gerade wirklich begeistert. Am meisten merkt dann das an dem Umgang mit den Spielern, die die Box-Version der Collector’s Edition gekauft haben.  Dort sollte ein USB-Stick mit „Rift“-Logo mitgeliefert werden, aber der scheint kaputt zu sein. Daher gibt es nun eine Entschädigung – und zwar nicht nur in Form des USB-Sticks oder 30 Tagen gratis, sondern mit einem Entschuldigungs-Pet und noch einer Kleinigkeit. So sieht das aus, wenn man es dem Kunden wirklich schwer machen will, sauer zu sein. Finde ich gut.

Wenn bei Trion der Weg so weiter gegangen wird, dann kann man sich da wirklich heimisch fühlen.

I don’t care, I’m still free, you can’t take the sky from me

“We live on the edge. We’re passionate about our beliefs, and will fight to the end for what we believe is right. We’re always willing to help those that need it. We pull together when times are tough. We’re a family.” (ILOVEJAYNE auf Browncoats.com)

Es ist wie beim Ausrutschen auf Glatteis: Man merkt, dass man nicht mehr gegenlenken kann und merkt, wie das Auto einfach weiter schlittert – auf die Wand oder (wie ich es schon einmal erlebt habe) die Leitplanke zu. Ein schreckliches Gefühl! Genauso geht es mir zur Zeit mit Aion, denn als ich heute morgen mal kurz online war, habe ich die „Ernte“ von gestern Abend gesehen und es ist genau so gekommen, wie ich es befürchtet hatte und das Forum spricht da auch bereits Bände: Die Smodies haben gestern auf Balder sich an Veille versucht.

Für all jene, die nichts damit anfangen können: Der Raid/PvP-Endcontent in Aion besteht aus vier Festungen im Endgebiet – jeweils zwei pro Fraktion in deren Startgebiet. Zwischen den Fraktionsgebieten gibt es eine Schlucht mit der Endgame-Instanz und der Zugang zu dieser Schlucht wird nur geöffnet, wenn man beide Festungen im eigenen Land besitzt. Auch kann man zur gegnerischen Fraktion nur über diese Schlucht. Das bedeutet, wer seine beiden Festungen hat, darf in seine Endgame-Instanz.

Die gegnerischen Festungen sind natürlich auch angreifbar und wenn man diese besitzt, kann man besondere Rezepte und Craft-Materialien kaufen und außerdem – sofern man alle Balaurea-Festungen besitzt – spawned ein Endboss; streng genommen transformiert ein NSC der gegnerischen Fraktion zu einem Mega-Boss. Dazu gibt es diverse Quests und der Boss kann extrem gute Items droppen. Wenn die Fraktionen im Gleichgewicht sind, dann sollte es nicht möglich sein, diese Bosse zu sehen.

Das ist nicht tot, das ewig riftet

Nachdem mein erster Eindruck von „Rift“ letztens nicht so positiv ausgefallen ist, möchte ich das nun ein wenig gerade rücken, nachdem ich jetzt doch ein wenig tiefer in die Beta gespielt habe. Ich bin ziemlich angetan von dem Klassensystem und vor allen Dingen den Rift-Events. Das macht tierisch Laune und durch die öffentlichen Gruppen ist es zwar ein wenig chaotisch, aber die Mechanik ist sehr angenehm, so dass es alles trotzdem sehr kooperativ wirkt, wie man die einfallenden Riss-Truppen zurückgedrängt – oder auch nicht.

Denn wir hatten eben gerade eine riesige Schlacht, die vermutlich als Stress-Test für die Server gedacht war. Unzählige Risse sind gleichzeitig aufgegangen, mehrere Avatare sind gespawned und haben ein Hauptdorf (die Akademie der Wächter) vollkommen überrannt. Das hatte etwas Episches und macht wirklich Spaß.

Allerdings ist natürlich fraglich, in wie weit das später und auf Dauer funktioniert. Immerhin sind die Keep-Raids bei Aion auch sehr spaßig und gefallen mir gerade wegen ihrer Größe und Epik ungeheuer. Aber auf Dauer verliert es die Spieler. Ich wünsche Rift, dass die Mechaniken drumherum gut genug entwickelt sind, dass es auch auf Dauer interessant für die Spieler ist und viele Spieler zu den Rift-Events gehen. Ansonsten sehe ich es schon kommen, dass wieder Flame-Wars in der Community entstehen, wenn manche Spieler gegen die Rifts kämpfen, während andere in den Instanzen hocken. Das ist eigentlich meine größte Sorge für das Spiel.

Die Grafik ist auf maximalen Einstellungen auch sehr ansehnlich, wenn auch natürlich kein Vergleich mit Aion. Die Animationen finde ich weiterhin sehr gewöhnungsbedürftig. Aber mittlerweile habe ich mich doch in eine Klassenrichtung verliebt und finde immer mehr Gefallen an meiner Hochelfe – auch wenn ich ursprünglich Skeptiker spielen wollte. Denn bei den Wächtern sind die Hochelfen zur Zeit nur für mich spielbar, bei den Skeptikern könnte ich mich mit allen drei Völkern anfreunden. Trotzdem gefällt mir das drumherum bisher bei den Wächtern besser, auch wenn ich den Steampunk-Hintergrund bei den Skeptikern auch sehr interessant finde.

So viel an kurzen Eindrücken und dem Zurücknehmen meines bisher zurückhaltenden Urteils über Rift. Ich freue mich mittlerweile richtig, das nebenbei als Zweitspiel zu spielen und denke, dass ich mir das Sonderangebot des Abos zulegen werde. Das Spiel hat definitiv eine Chance verdient.

Mit Sicherheit wird es nicht dem Hype gerecht, der um es veranstaltet wird und wird auf Dauer daher wieder Spieler verlieren. Allerdings vermute ich, dass es einen solideren Spielstamm als Aion finden kann, da es doch mehr an die westlichen Bedürfnisse orientiert ist. Ebenso wie Aion ist Rift ein solides Spiel; ja, das denke ich wirklich auch immer noch von Aion. Rift macht vieles richtig, aber nichts grundlegend neu – muss aber auch nicht, denn das, was es macht, macht Spaß. Und ist das nicht alles, was zählt?

Jetzt geht es aber wieder zurück nach Telara. Ich habe noch ein paar Risse zu bekämpfen.

You know what the first rule of roleplaying is?

Malcolm: „You know what the first rule of flying is? Well, I suppose since you already know what I am about to say.“
River: „I do, but I like to hear you say it.“

Manchmal fühle ich mich mit meiner Einstellung zu Rollenspiel wie ein Browncoat von Firefly, denn es gibt so wenige von uns und man kämpft aus dem Untergrund heraus. Aber wovon träume ich? Wie sollte die Einstellung zum Rollenspiel aussehen?

Man muss Rollenspiel mit Leidenschaft betreiben und nicht aus Selbstsucht oder aus Profilierungsgründen. Es geht nicht darum, dass man der Tollste ist, es geht darum, gemeinsam eine erlebenswerte Geschichte zu erzählen und faszinierende Charaktere entstehen zu lassen.

Es gibt genug, die Rollenspiel betreiben, um Macht auszuüben. Vielleicht fingen sie einmal anders an, erreichten dann aber Positionen, die sie haben vom Weg abkommen lassen. Sie bleiben stecken, haben keinen Spaß mehr, weil die Leidenschaft fehlt und im Gegenzug saugen sie genau diese Leidenschaft aus anderen Spielern heraus – denn es grämt sie, dass es Andere gibt, die noch unbekümmert und mit Spaß an die Sache gehen.

Sie ertragen es nicht, Neulingen zuzuschauen, wie sie ihre ersten Schritte machen, hier und da mal stolpern. Und wenn sie stolpern, dann helfen sie den Neulingen nicht wieder auf, sondern sagen ihnen „Was bist du so scheiße, dass du hinfällst?“ Dabei ist es nicht schlimm, einen Fehler zu machen – zumal „Fehler“ im Rollenspiel eine sehr subjektive Sache ist. Meist ist es der „Futterneid“/“Spaßneid“, der dann RP-Polizisten sich darauf stürzen lässt. Denn es geht ja nicht, dass man Spaß hat, obwohl man sich nicht an ihre Regeln hält.

Wenn man vor nichts Respekt hat, dann wird einem auch das Rollenspiel  keinen Spaß machen und man wird früher oder später aufhören. wer keinen Respekt vor seinen Mitspielern hat, der hat auch keinen Respekt vor dem Rollenspiel.

Denn Rollenspiel ist eine dynamische, unberechenbare, menschliche Tätigkeit und keine Lore dieser Welt, kein Supplement, kein Regelwerk, kein Rp-Polizist kann den Spaß am Rollenspiel für einen erhalten – höchstens vernichten. Respekt hält den Spaß am Rollenspiel aufrecht und die Distanz und dadurch baut man sich ein Verhältnis zu seinen Mitspielern auf, das ein gutes Fangnetz ist. Denn selbst wenn etwas schief geht, fangen sie einen wieder auf – denn Fehler passieren jedem. Es ist nur die Frage, wie man damit umgeht.

Toleranz ist das Zauberwort. Doch einfach ist das nicht. Denn wie sagte es mal ein guter Bekannter aus dem LARP so treffend? „Toleranz gegenüber der Intoleranz ist Intoleranz gegenüber der Toleranz.“ Es ist also eine Gratwanderung. Denn man darf natürlich Sachen scheiße finden, man darf das auch sagen, aber dennoch darf man dabei auch wieder den Respekt nicht vergessen. Außerdem sollte man wissen, wann man seine Meinung auch einfach mal zurückhalten sollte. Wie hat es Dieter Nuhr einmal so schön gesagt? Meinungsfreiheit bedeutet, dass man seine Meinung sagen kann, aber nicht immer sagen muss.

Es geht nicht darum, alles toll zu finden, aber es geht darum zu erkennen, was man mag und was man nicht mag. Wenn man das erkannt hat, dann sucht man sich das aus und um den Rest macht man einen Bogen – sofern das nicht zu aufdringlich ist und ansonsten redet man einfach mit demjenigen, aber bevorzugt auf menschliche Weise und nicht pampend.

Der einzige Punkt, den man im RP beeinflussen kann, ist man selbst. Dort kann man ansetzen, aber bitte nicht woanders. Wenn man anfängt, anderen Spielern reinzureden, kann es nicht funktionieren – es ist bevormundend und intolerant und das werde ich nie, nie, niemalsnie gut heißen. Man kann Ratschläge geben, wobei man dabei beachten sollte, dass das Wort „Ratschlag“ nicht von „Schlagen“ kommt. Man kann Hilfestellung geben, aber nicht jemanden zwingen, nicht drohen, nicht beleidigen, denn dann schlägt man sich selbst eine Tür zu, die man vielleicht bei seinem Mitspieler öffnen könnte. Es ist erstaunlich wie offen Menschen sind, wenn man nett und vernünftig mit ihnen redet. Das würde ich all den Rp-Polizisten gerne mal empfehlen: „Nett sein“ ausprobieren. Hilft ungemein, macht viele Sachen einfacher und die Mitspieler sehen auch mal Dinge ein.

Es gibt auch bei mir Sachen, die ich doof finde. Es gibt auch für mich Sachen, die mich stören, die mich sogar rausreißen können. Aber entweder ich arbeite trotzdem mit diesen Sachen oder ich mache einen Bogen darum. Das ist eine Lektion, die ich aus dem LARP gelernt habe – aus dem DKWDDK. Und Wunder, oh Wunder: Es funktioniert! Trotz aller Unkenrufe ist das immer noch die universalste Rollenspielansicht, mit der man der größten gleichzeitigen Spielermenge den meisten Spaß bringen kann. Dadurch entstehen zwar viele kleine Universen, die alle nebeneinander existieren, aber warum auch nicht?

Man muss sich von der Idee lösen, dass es im Rollenspiel „eine“ Welt gibt. Es gibt im Rollenspiel genau so viele Welten, wie es Spieler gibt, denn jeder hat seine eigene. Manche Welten stimmen mehr überein und daher fühlt man sich dort heimischer. Aber manche passen nicht – und das müssen sie auch nicht. Ein Charakter mag in der einen Welt ein Held sein, in der anderen aber ein geisteskranker Irrer. Das ist nicht schlimm. Denn die Welt, die denjenigen für einen geisteskranken Irren hält, kann diese Welt nun wiederum für kurzsichtig und eingebildet halten und so weiter.

Es geht stets darum, Welten zu erschaffen, nicht sie zu zerstören. Toleranz hilft dabei, dass diese Welten nebeneinander existieren können. Man muss nicht mit dem RP-Polizei-Weltenzerstörer auf andere Planeten schießen.

Diese Regeln sind keine allgemeinen Wahrheiten, keine Naturgesetze – es sind meine Regeln, mit denen ich seit Jahren gut fahre. Das ist, wie ich Mitspieler finde, die Spaß mit mir haben. Das ist, wie ich Mitspieler gewinne, die auch bleiben, weil sie Spaß am Spiel mit mir haben. Mal werde ich still sein, weil mir die Kraft fehlt, aber das sind die Regeln, für die ich stehe – immer stehen werde. Denn sie fühlen sich richtig an.

Doch es ist schwer, dafür einzustehen und dafür zu kämpfen und manchmal fehlt einem die Kraft – das ist ganz natürlich. Wir können für lange Zeit ohne Rettung bleiben, doch nicht für immer – man kann uns fangen, uns jagen, wir werden uns verstecken, wir werden mal Kraft schöpfen, aber wir verschwinden nicht.

Leider gibt es nur noch wenige von uns. Aber wir, die an diese Werte glauben, dürfen nicht aufgeben – niemals.

Malcolm: „Love. You can learn all the math in the ‚verse, but you take a boat in the air you don’t love, she’ll shake you off just as sure as the turning of the worlds. Love keeps her in the air when she oughta fall down, tells you she’s hurting ‚fore she keens. Makes her a home.“
River: „Storm is getting worse.“
Malcolm: „We’ll pass through it soon enough…“

Quantity Theory

The trouble with the world is that the stupid are cocksure and the intelligent are full of doubt. (Bertrand Russell)

Letzte Woche konnten wir die Asmodier aus Ingisson aus einer unserer Festungen werfen. Wir waren vielleicht eine halbe Union, wenn es hoch kommt. Ich erinnere mich noch, dass ich in das Unionsfenster gesehen habe und da waren so knapp 100 Leute dabei. Sagen wir also wenn da noch ein paar einzelne dazu kamen, waren es vielleicht 150. Das ist nicht viel.

Trotzdem hieß es dann von den Asmodiern, dass wir ja eine unglaubliche Masse auffahren können. Warum lernen die Leute es nicht endlich, dass es auf dem Radar ab einer gewissen Anzahl immer nach Masse aussieht? Das ist der psychologische Trick bei sowas, auch wenn man keine Masse hat. Wenn der Gegner das glaubt, hat er verloren. Habe ich bei uns schon häufig genug gesehen, dass wir von Unterzahl weggehauen wurden, weil unsere Helden dachten, es wären so unglaublich viele Smodies und habe ich schon häufig genug auf der anderen Seite gesehen.

Dummheit und Selbstsicherheit gehen viel zu häufig Hand in Hand.

Schatten der Leidenschaft

Hin und wieder überlege ich, ob ich nicht zu viel motze oder meckere. Dennoch geht es mir eigentlich selten darum, einfach irgendwo drauf zu schlagen. Ich bin mit Leidenschaft bei den Spielen dabei, die ich spiele – sonst würde ich sie nicht spielen. Ich bin ein großer Verfechter von Spielspaß in Spielen und vertrete die These, dass viele Spieler sich viele Spiele selbst kaputt machen. Vermutlich mache ich mir manchmal auch ein wenig kaputt, aber bin zumindest selbstreflektiv genug, um das wenigstens irgendwann zu erkennen.

Ich versuche mich dann häufig am Riemen zu reißen und zu zeigen und sagen, was mir Spaß macht, wenn ich merke, dass ich mal wieder ein paar Wochen möppelnd durch meinen Blog mich getippt habe. Manchmal müssen diese Sachen aber auch einfach raus und ich denke, dass ich trotz aller Meckerei durchaus eine gewisse Fairness an den Tag lege – und auch nicht alles vollkommen schwarz sehe.

Leider ist es aber auch so, dass man solche Meckereien eher wahrnimmt, als Anderes. Denn wenn ich so meine letzten Blog-Beiträge durchschaue, habe ich nicht den Eindruck, dass ich täglich möppelte. Sondern auch häufig Beiträge habe, in denen dieses „hey, das ist so cool“ drin ist. Da denke ich mir dann aber wiederum, wenn ich meine Lobeshymnen auf beispielsweise „Valkyria Chronicles“ der letzten Zeit lese oder auf „Chuck“, ob nicht das auch zu viel ist. Aber wieso sollte ich etwas zurückhalten, das ich denke? Häufiger sind aber meine Beiträge eher beides. Wieso auch nicht? Mal gefällt mir etwas, mal gefällt es mir nicht und dieses Blog dreht sich eben um das, was irgendwas in mir auslöst – kein Themenblog, kein Newsblog.

Ich schreibe immerhin über Sachen, die mich bewegen und selten bewegt mich etwas, das „so lala“ ist. Darüber schreibe ich auch mal, aber einerseits ist das langweilig zu lesen, aber auch sehr langweilig zu schreiben. Daher halte ich mich natürlich an Sachen, die mich entweder stören oder die ich toll finde. Das ist ganz normal, denke ich.

Gerade nach dem Blog-Beitrag gestern kam ich nur ins Grübeln, ob das nicht zu negativ oder zu möppelnd war. Aber das liegt dann eben auch an der Leidenschaft, mit der ich da bei der Sache bin. Aion ist ein Spiel, das mir sehr viel Spaß macht und mich ärgert es und regt es auf, wenn Andere es kaputt machen. Ich denke, auch das ist normal. Irgendwie wäre es schade, wenn man nicht mehr mit Leidenschaft bei seinen Hobbys wäre, oder?

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Das Fraktionsverhältnis auf Balder hat sich immer noch nicht gewendet, auch wenn unsere Raidleitung unter Reljas Führung sich weiterhin sehr bemüht und bei weitem nicht so inkompetent ist, wie viele Flamer im 3er es hinstellen wollen. Mag sein, dass es hier und da eine Fehlentscheidung aus taktischer Sicht gab, Sachen, mit denen ich auch nicht einverstanden war. Trotzdem habe ich mitgemacht. Wir haben verloren, aber was soll es? Fehler passieren. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Raidleitung in Aion noch härterer Beurteilung unterworfen wird, als die Trainer unserer Fußball-Nationalmannschaft. Bizarre Welt.

Nach etlichen erneuten Versuchen, immer mal wieder kleinen Erfolgen (ja, die gab es), aber dann wieder größeren Rückschritten, weil die Community einfach keinen Biss hat und gleich aufgibt, wenn es nur nach Niederlage riecht, ist die Motivation zur Zeit wieder an einem neuen Tiefpunkt. Wenigstens haben die Flamewars größtenteils aufgehört – nicht ganz, aber immerhin zum größten Teil. Das ist auch schon einmal ein Fortschritt. Momentan dümpelt das Raiden auf Balder auf Elyos-Seite so dahin und es gibt immer mal wieder mehr oder weniger absurde Vorschläge, wie man das ändern könnte. Manche sind nicht durchführbar, wie das Kreisraiden aus Korea einzuführen, von dem ich auch nichts halte. Das würde und könnte sich im europäischen Gebiet wohl so nicht durchsetzen. Auch Absprachen würden meiner Ansicht nach eher das Fraktionsgefühl zerstören, als Balance erzeugen.

Jetzt war es aber soweit, dass vor einiger Zeit die CMs auf das Unions-TS gekommen sind, um sich mit der Raidleitung zu unterhalten, was geändert werden müsste, um mehr Leute zu den Raids zu bewegen. Da ich auch einiges an Kontakt mit Relja habe, habe ich ihr meine Vorschläge geschrieben, die ich hier euch natürlich auch nicht vorenthalten will:

1. Bug-Behebung der Balaur-Mechanik
– Die Balaur sollten alle Festungen einnehmen können. Sie waren als ausgleichende Fraktion gedacht, doch mittlerweile sind sie gerade im Abyss keine Bedrohung mehr. Kysis und GF können sie nicht einnehmen – erstere wegen eines Bugs, zweitere weil es wohl nicht so designed wurde. Das sollte nicht möglich sein. Wer viele Festungen im Abyss hat, soll um sie bangen müssen gegen die Balaur! Er sollte gegen zwei Fraktionen kämpfen müssen!

2. Überarbeitung der Balaur-Mechanik
– Die Balaur sollten verstärkt die Karten neu mischen können. Ideal wäre hierfür, wenn die Stärke der Balaur skaliert. Greifen die Balaur eine Festung einer Fraktion mit wenig Abyss-Einfluss an, sind sie schwächer, greifen sie eine Festung einer Fraktion mit viel Abyss-Einfluss an, sind sie stärker. Dadurch würde gewährleistet, dass eine stärkere Fraktion es auch zunehmend schwerer hat, wirklich viele Festungen zu halten und so muss sie sich entscheiden, wo sie hingeht bei einem Zwei-Fronten-Krieg.

3. Reduzierung des AP-Verlustes/Gewinns
– Wenn Spieler mit hohen Rängen zu einem Festungskampf kommen, sollten sie belohnt werden und nicht bestraft werden. Zur Zeit werden sie aber bestraft, da sie nur verlieren können. Alternativ könnten auch die AP-Verluste/Gewinne während eines Keep-Raids ganz ausgesetzt werden. Das würde zwar vermutlich Probleme bei der Berechnung geben, wer wie viele Medaillen bekommt (da die vermutlich AP-abhängig ist), allerdings müsste man diesen Tod wohl sterben, um auch gerade Leute mit hohen Rängen dazu zu motivieren.

4. Entfernen von inaktiven Spielern aus der AP-Liste
– Es sollte nicht möglich sein, dass inaktive oder wenig aktive Spieler Wächtergötter blockieren. Man kann dies über Umfragen in-game gewährleisten, dass jemand wenigstens einloggt oder man kann eine gewisse Vorgabe machen, die jemand erfüllen muss (so und so viel Stunden online gewesen sein). Sicherlich führen hier aber auch noch tausend andere Wege nach Rom.

5. Weniger Keep-Raid-Tage
– Ich empfinde es ungeheuer schwer mittlerweile, mir zu sagen, wann ich zu einem Keep-Raid gehe. Früher gab es weniger Keep-Raids und einige Tage, an denen man definitiv „frei“ hatte. Dadurch ist es einfacher gewesen, sich zu sammeln. Das neue Zeiten-System empfinde ich als fürchterlich, denn täglich „müsste“ man raiden, täglich hat man ein schlechtes Gewissen. Hinzu kommt, dass sich dadurch die raidende Masse mehr über die Tage verteilt. Wenn es weniger Termine geben würde, wären diese vermutlich auch besser besucht, denn dann wäre die Wahrscheinlichkeit größer, dass man den gleichen Tag erwischt, an dem man sich entscheidet „heute gehe ich raiden“. Denn auch wenn es manchen gelingt – ich beispielsweise „kann“ nicht täglich raiden.

6. Überarbeitung der Keep-Raid-Zeiten
– Hinzu kommen die neuen Zeiten, die von manchen bejubelt werden, ich persönlich als fürchterlich empfinde. Es sollte nicht erstaunen, dass gerade im Abyss weniger los ist, wenn man sich die Uhrzeit 22-23 Uhr ansieht. Im Normalfall ist beispielsweise meine „Bett-Geh-Zeit“ irgendwo genau in diesem Zeitfenster (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ich bleibe auch „mal“ wach, um zum Keep-Raid zu gehen, aber wenn man sich denkt „das gibt sowieso nur wieder auf die Fresse“, ist die Motivation, extra dafür wach zu bleiben ungleich geringer. Zumal zumindest bei mir nicht um 23 Uhr Schluss ist, wenn man da noch einen Keep-Raid mitmacht. Meist bin ich dann noch so aufgeputscht vom Adrenalin, dass ich frühestens gegen 23.30 Uhr ins Bett kann und frühestens um 24 Uhr dann einschlafe. Ganz davon abgesehen, dass durch 19-23 Uhr Keep-Raids mein kompletter Abend blockiert ist, an dem ich nichts machen kann – weder Rp noch Instanzen. Das multipliziert sich unschön mit dem Problem des „täglich Raiden“ von dem Problempunkt vorher. Der größte Hohn ist meiner Ansicht nach der GF-Keep-Raid Dienstag abends um 22 Uhr. Die Festung, für die man die meisten Leute braucht, ist mitten in der Woche so spät angreifbar. Damit lockt man Leute aus der Versenkung, die „sowieso“ gewinnen, aber niemanden, der am nächsten Tag früh aufstehen muss und kalkulieren muss, ob er sich wirklich gegen eine Übermacht stellen will.

7. Möglicherweise wieder die Angriffe zufällig werden lassen
– Ich wage zu behaupten, dass das vorherige System angenehmer war, in dem alle Festungen theoretisch angreifbar waren, aber nicht vorher feststand, wann. Dadurch hatte die unterlegene Fraktion auch einfach mal Glück und konnte einen Guerilla-Angriff gegen überraschende Ziele fahren. So ist alles vorher bekannt und wer die Masse hat, mobilisiert sie einfach zu einem bekannten Zeitpunkt – nichts leichter als das. Ungewissheit ist aber der Vorteil der unterlegenen Fraktion, denn da müsste die überlegene Fraktion jeden Abend im Prinzip Wache halten – und das geht nicht, das schlaucht auf Dauer und gibt der unterlegenen Fraktion wieder eine Chance. Außerdem kann man eine überlegen Fraktion mit dem derzeitigen System nicht auseinanderziehen, um die Truppen aufzuspalten, da entweder Upper Abyss oder Lower Abyss angreifbar ist, aber nicht mal beide. Das macht es der Fraktion, die mehr Keeps hat, im Normalfall schwerer, alle zu deffen.

On broken wings

Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln über die MMO-Communities. Natürlich kann ich da momentan nur über die Aion-Community sprechen, aber ich war lange genug in der WoW-Community, dass ich weiß, dass es dort nicht anders läuft – nur dass Aion wenigstens nicht ganz den Weg WoWs gegangen ist. Worum es geht?

Seit Mittwoch ist der neue Handwerker-Patch drauf. Das mit dem Crafting wäre noch einmal einen eigenen Blog-Beitrag wert, aber heute will ich über etwas Anderes schreiben, denn mit diesem Patch kam ein neues Pet. Dieses ist ein Produktions-Pet. Das heißt bei Aion: Ich stecke Sachen rein und bekomme irgendwann was raus, wenn das Pet satt ist. Wer sich schon länger mit den Pets bei Aion beschäftigt hat, weiß: Das lohnt sich nicht. Das ist ein witziges Gimmick, besonders wenn man seine Taschen voll hat, um Loot zu entsorgen – immer noch besser als wegwerfen.

Dieses Pet kann allerdings mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit neue Flügel produzieren. Was ich von diesen neuen Flügeln halte, weiß ich noch nicht, denn ich bin da zwiegespalten. Doch auch darum geht es nicht, denn auch darüber könnte man ganze Blog-Beiträge schreiben. Seit Mittwoch sind das Pet und die Flügel da. Was passiert? Die Foren sind voll von Heulthreads, dass man die Flügel noch nicht hat. Nach zwei Tagen! Himmelarschundzwirn!

So sehr ich auch über NCSoft mittlerweile motze, aber wie stellen die Spieler sich das vor? Was für eine Erwartungshaltung steckt dahinter? Es wurde angekündigt: „Geringe Wahrscheinlichkeit.“ Dadurch steigt der Wert der Flügel natürlich, denn sie werden etwas besonderes.

Das Pet ist dazu gedacht, um Kinah aus dem Spiel zu ziehen, denn man muss Futter dafür kaufen und das geht von sehr billig bis hin zu recht teuer – ich vermute, das beeinflusst die Wahrscheinlichkeit, wenn auch nicht so massiv, dass man es wirklich merkt. Es gibt Spieler, die haben in den letzten zwei Tagen 100-200 Mio Kinah in das Pet gesteckt und beschweren sich nun, dass da nichts rauskommt. Ganz davon ab, dass damit der Mythos hoffentlich ad acta gelegt ist, dass man in Aion nicht an Kinah kommt, würde ansonsten jeder plötzlich im Spiel mit diesen Flügeln rumlaufen – womit sie nichts besonderes mehr wären.

Das, was Aion für mich so besonders macht ist, dass es dort noch Wertigkeiten gibt. Natürlich werden die auch immer mal wieder abgebaut, wie jetzt durch den Patch die Schwierigkeit der Crafting-Experten-Quest. Aber so ist der Lauf der Dinge und die Sachen, die wirklich Endcontent darstellen, bleiben auch weiterhin eine Herausforderung, wohingegen Experte eben nicht mehr zum Endcontent gehört – denn das ist jetzt Handwerksmeister zu werden, also noch einmal eine Stufe darüber.

Wenn jeder mit diesen Flügeln rumlaufen würde, wären sie nichts mehr wert. Aber wie verkommen muss eine MMO-Community sein, dass sie bereits nach zwei Tagen im Forum Amok läuft, dass es eine Unverschämtheit ist, dass sie die Flügel noch nicht haben? Ich kann da echt nur den Kopf schütteln.

Emergency Room

Wir erinnern uns an die Rift-Leidensgeschichte bei Aion: Zuerst klappte es gut, dann gankten hoch gezüchtete Edeltwinks alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen war und das Geheule ging los. Anstatt einfach mal einen Widerstand zu organisieren wurden die Foren geflutet. Viele hörten auf, weil sie in den Low-Level-Gebieten umgehauen wurden und die Lust verloren. Etliche Monate später reagierte NCSoft – meiner Ansicht nach zu spät… und falsch.

Es wurde ein Rift-Debuff eingeführt, der den ausgeteilten Schaden im Feindesland massiv reduziert. Diagnose: Riften klinisch tot. Doch es half kaum etwas, denn die, die so frustriert waren, hatten immerhin schon größtenteils aufgehört. Wenigstens wurden Neulinge jetzt nicht mehr dadurch verschreckt. Trotzdem kam natürlich die Gegenbewegung der Rifter, die sich beschwerten, dass NCSoft quasi das Riften „rausgepatcht“ hat. Das ging eine Weile so und einige begeisterte Rifter hörten auch auf.

Mehrere Wochen später reagierte NCSoft – mit Umfragen. Das Auswerten dieser Umfragen dauerte wieder eine ganze Zeit und dann war die Lösung, den Debuff in Eltnen abzuschwächen und in Heiron ganz zu entfernen. Es gab wieder Rifting! Sehr begrüßenswert, wie ich finde, denn ich finde nach wie vor Rifting richtig und wichtig in Aion. So ging es die ganze Zeit und es gab zwar Gemecker, aber es hielt sich in Grenzen. Es gab erneute Umfragen, die größtenteils zeigten, dass das derzeitige System mit leichten Anpassungen so von der Community gewünscht wurde.