Jamas Tipp: Avengers

Gerade wieder gesehen: Avengers – einer der besten Filme diesen Jahres und auch einer der besten Superheldenfilme überhaupt. Joss Whedon hatte mich damals im Kino nicht enttäuscht, aber ich muss gestehen: die Synchro … die Synchro. Das haben wir gerade gemerkt, als wir ihn im Originalton zum ersten Mal geschaut haben.

Die Charaktere verlieren bei den deutschen Stimmen leider so viel – und zwar eigentlich alle. Am schlimmsten trifft es aber Tom Hiddleston als Loki. Was für ein Charisma und Ausstrahlung er doch im Originalton hat! Auf Deutsch wirkt er schon eher fast schon ein wenig lächerlich. Die deutsche Synchronisation schafft es einfach nicht, was Tom Hiddleston mit seiner eigenen Stimme gelingt: diesem unglaublich albernen Kostüm Würde, Hinterlist und Macht zu verleihen.

Avengers glänzt nicht durch Handlung, sondern durch Charaktere. Es glänzt durch Momente, nicht durch Logik. Es glänzt dadurch, dass es eine der besten Adaptionen des Comic-Genres bis zum heutigen Tage. Das macht der Film anders als die Nolan-Batmans, die auf ihre eigene Weise diesen Status erreicht haben. So gerne ich die ersten beiden Nolan-Batmans mag, Avengers ist dann doch eher meine Richtung.

Ein wenig Angst habe ich vor dem zweiten Teil. Aber solange Joss ihn macht, bin ich zuversichtlich – mit lediglich ein wenig Angst. Solange er aber machen darf, wie er will und ihm niemand reinpfuscht, könnte das auch wieder ganz, ganz groß werden.

Double Feature

Nachdem ich vor ein paar Tagen so begeistert vom „Avengers“-Trailer war, habe ich mir kurzerhand zwei weitere Origin-Stories von zwei der Superhelden dort bestellt und wir haben gestern und heute beide Filme geschaut: „Captain America“ und „Thor“. Beides eigentlich eher nicht so meine Superhelden, weil ich die doch immer reichlich lahm und langweilig fand. Allerdings bin ich doch von beiden Filmen recht positiv überrascht.

Mir persönlich hat „Thor“ verdammt gut gefallen sogar. Der hat mich ziemlich von Anfang an mitgerissen und hat ungeheuer viel Spaß gemacht. Das war gut umgesetzt und dem eigentlich recht langweiligen Charakter sehr viel Profil und Tiefe gegeben. Aber eigentlich kein Wunder, wenn Kenneth Brannagh und Michael Straczynsky ihre Finger drin hatten. Gerade bei Brannagh könnte ich wetten, dass der großen Einfluss auf die fast schon Shakespeare-Ausmaße der Bruder-Intrigen hatte.

„Thor“ kann ich absolut uneingeschränkt empfehlen, wenn man Superheldenfilme mag. Der ist sehr kurzweilig, sehr bunt, sehr heroisch und mit einem mutigen Ende. Da passte insgesamt alles – ein tolles Gesamtpaket.

Sogar „Captain America“ fand ich ganz nett – wenn auch bei weitem nicht so gut wie „Thor“. Er ist nicht so patriotisch wie ich befürchtet hatte, sondern kommentiert diesen Patriotismus sogar eigentlich recht heftig; auch wenn ich vermute, dass das viele gar nicht mitbekommen. Eigentlich ist es ihnen in dem Film gut gelungen, das nicht als eine Hymne auf Amerika zu machen, sondern einfach darauf, Gutes zu tun.

Nicht umsonst besteht die Mannschaft um den Captain nicht nur aus Amerikanern, sondern aus Engländern, Franzosen und anderen. Sogar die Deutschen sind mit ins Boot geholt, wenn man sich seinen „Mentor“ ansieht. Sehr schön gelöst und auch auf eine schöne Grundformel gebracht, denn als Captain America gefragt wird, ob er Nazis umbringen will, antwortet er: „I don’t want to kill anyone. But I don’t like a bully – no matter where he is from.“ (aus dem Gedächtnis frei zitiert)

Auch bei „Captain America“ finde ich das Ende mutig. Da habe ich gut geschaut, möchte aber nicht wirklich spoilen. Ich bin gespannt,  ob da noch was draus gemacht wird oder ob das einfach ein gigantischer „dramatic hook“ für den Charakter ist. Sowas in einem eigentlich so einem Unterhaltungsfilm finde ich gut und überraschend.

Beide Filme waren gute Unterhaltung für mich und haben mich noch heißer auf den „Avengers“-Film gemacht. Auch die Querverweise auf die anderen Filme, auf Tony Stark, auf Asgard, auf Hulk und Shield und überhaupt sind angenehm verstreut, nicht zu sehr mit dem Holzhammer, aber doch deutlich. Das kann wirklich eine verdammt schöne Ausgangsbasis für einen tollen „Avengers Assemble“ sein. Ich freu mich drauf.

Diesmal verlinke ich keine Trailer zu beiden Filmen, denn ich finde beide Trailer nicht gelungen. Ich hoffe, euch hilft dieses persönliche Seh-Erfahrung von mir hier euch mehr als zwei Trailer, die einerseits eine leicht andere Geschichte vorgaukeln und andererseits ein paar schöne Überraschungen verderben.

We are not a team, we are a time bomb

Jetzt habe ich es mich doch getraut, obwohl ich eigentlich keine Trailer mir anschaue. Aber auf YouTube war er zu verführerisch verlinkt und ich musste einfach draufklicken. Worum geht es? Den „Avengers“-Film.

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig Angst davor habe. Wie ihr wisst, bin ich großer Joss-Whedon-Fan und sagen wir es so: Eigentlich denke ich nicht, dass der Film was wird. Wenn nicht Joss Whedon dran stehen würde, würde ich ihn mir vermutlich nicht ansehen.

Denn bisher war es in nahezu allen Superheldenfilmen so: Wenn zu viele Hauptcharaktere auftaucht sind, war es einfach nichts – zu wenig Spotlight für interessante Charaktere und Tiefen und es wurde zu viel in zu wenig Zeit gepresst. Aber Joss Whedon? Ich traue es ihm zu, das Unmögliche dabei zu schaffen.

Sogar bei „Serenity“ hat er es geschafft, Serien-Charaktere vernünftig in einen Film mit begrenzter Länge zu betten, so dass die ihre Auftritte hatten. Klar, auch da hat man dem Film angemerkt, dass er lieber eine Serie mit mehreren Folgen wäre. Aber wenn es jemand schaffen kann, dann Joss Whedon.

Jetzt habe ich den Trailer gesehen und denke mir: Mach doch eine Serie draus, Joss Whedon! Das sieht gut aus – verdammt gut. Ich habe nur immer noch die Befürchtung, dass es zu viele Charaktere und zu wenig Film ist. Ich kann nur hoffen, dass es möglichst wenig Plot gibt, damit die Charaktermomente besonders vertieft werden können.

Ideal wäre für mich also, wenn es eine möglichst generische Hintergrundstory gibt, vor dem das Charakterdrama entsteht – und Popcorn-Kino… von mir aus. Es könnte was werden, aber trotzdem habe ich immer noch (berechtigte) Angst, dass dies das erste Whedon-Werk sein könnte, dass mir nicht gefällt.

Joss, enttäusch mich nicht! Ich glaube an dich! Und ein wenig freue ich mich da echt schon drauf.