Reported!

Schon häufiger habe ich über die Community von League of Legends geflucht und es fühlt sich wirklich so an, dass dies mit Abstand der schlimmste Haufen an Menschen ist, den ich bisher erlebt habe. Doch dann fahre ich wieder Auto und denke mir: „Ach, das Verhalten kenne ich doch!“

Denn wenn man es sich einmal genauer betrachtet, ist genau dieses LoL-Verhalten viel zu häufig auch im Straßenverkehr zu beobachten. Worum geht es? Bei League of Legends wird sehr gerne geflamed und auch mit sogenannten Reports gedroht. Reports bedeuten, dass man einen Spieler meldet. Das drohen manche an, weil man beleidigt wurde, aber leider viel zu häufig wird es benutzt, wenn ein anderer Spieler angeblich schlecht spielt.

Das ist an sich vollkommener Schwachsinn und wird auch Riot explizit gesagt, dass diese Funktion nicht dazu gedacht ist, dass schlechte Spieler bestraft werden – denn niemand kann etwas dafür, dass er schlecht spielt. Für gewöhnlich soll in Rangspielen dann die Elo-Zahl genau die Spieler miteinander verbinden, die eine ähnliche Spielstärke besitzen. Das funktioniert auch soweit.

Dennoch nehmen viele Spieler das lieber selbst in die Hand. Das Ironische an der ganzen Sache ist, dass diejenigen, die am lautesten schreien, selbst meist nicht sonderlich viel besser spielen. Damit will ich mich nicht über Andere erheben, aber ich fange schließlich auch nicht an, Andere dafür zu flamen, dass sie spielen, wie sie spielen. Aber ich habe schon so häufig extreme Flamer gesehen, die selbst dermaßen… fragwürdig gespielt haben, dass ich mir dachte: „Konzentriere dich doch mal auf dein eigenes Spiel.“

Gerade als Supporter fällt mir das häufig auf, wenn mich mein AD-Carry von der Seite anschnauzt, weil ich ihn angeblich schlecht supporte. Dabei liegt das nicht immer nur an mir. Klar, ich spiele auch mal echt Mist zusammen. Aber mit einer Leona habe ich nun einmal beispielsweise Schwierigkeiten gegen eine Nidalee, die mich outzoned. Und wenn mein AD-Carry dann meint, wirklich jeden Speer auf maixmaler Distanz von ihr auffangen zu müssen, dann kann ich da herzlich wenig machen.

Sowas kam mir heute einmal wieder im Straßenverkehr vor. Leute, die Anderen vorschreiben wollen, wie sie zu fahren haben, selbst aber: 1. einem die Spur schneiden, 2. keinen Blinker benutzen, 3. viel zu schnell fahren und noch viel mehr. Und dennoch wird dem anderen Verkehrsteilnehmer der Vogel gezeigt, die Lichthupe oder Ähnliches.

Das ist genau das gleiche Verhalten. Genau die gleiche Rücksichtslosigkeit und genau die gleiche, fehlende Selbstreflexion. Sicherlich passiert das nicht so häufig wie bei League of Legends. Aber ich bin doch erschüttert über die Erkenntnis, dass es nicht nur an der Anonymität des Internets liegt. Nein, dies findet man auch ganz normal im Straßenverkehr und da könnte ich sogar dank Nummernschuld die Anonymität rausstreichen.

Da wird dann gehupt wie wild, wenn jemand sich in einem unübersichtlichen Straßenverkehr bewegt und offensichtlich (laut Nummernschild) von außerhalb ist. Da wird die Lichthupe gemacht, wenn man auf der mittleren Spur 130 km/h fährt, anstatt die vom Drängler angestrebten 200 km/h – dabei geht es rechts nur stockend wegen LKWs und es gibt auch noch die Spur nebendran. Da wird wild gestikuliert und symbolisch die Spur geschnitten, weil man denkt, dass jemand da bescheuert fährt.

Wirklich viel anders als „Report xyz!“ in League of Legends-Spielen ist das nicht. Menschen sind eben doch einfach Menschen – nicht nur im Internet, sondern auch im Straßenverkehr. Das ist allerdings keine neue Erkenntnis. Dieter Nuhr hat das eigentlich auch bereits entdeckt.

Auf die Ohren

Zwei neue Hörbücher habe ich mir jetzt bestellt: einmal „Die Tribute von Panem“ und dann der „lächelnde Odd und die Reise nach Asgard“ von Neil Gaiman. Im Auto laufen zur Zeit noch zwei Podcasts und das Dieter-Nuhr-Hörbuch: „der ultimative Ratgeber für alles“ – bisher auch ganz nett. Aber irgendwie auch kein richtiges Hörbüch wie ich finde. Es fühlt sich eher wie eine Comedy-CD an; und die Podcasts… naja, da höre ich halt immer mal wieder rein. Da habe ich auch nicht immer Lust dazu.

Von daher könnte es gut sein, dass ich doch mit einem der anderen beiden Hörbüchern. Doch welches? Ich bin echt überfragt. Vermutlich doch den Gaiman, weil mir der kürzer scheint und ich außerdem ansonsten bei den „Tributen“ gerne dann wohl alle drei Teile am Stück hören würde – wenn die überhaupt vernünftig vorgelesen sind und mir gefallen. Ich werde sehen – und bestimmt auch darüber berichten.