Akte Fringe

Es ist jetzt schon eine Weile her, dass meine Frau und ich die dritte Staffel von „Fringe“ weitergesehen haben. Irgendwann im Dezember hatten wir eine kleine Pause gemacht, weil es doch alles sehr stressig um uns herum war und wir daher was leichtes und kurzes sehen wollten.

Daher wurde es fast immer „How I met your mother“, auch wenn es dabei sogar 3-5 Folgen waren und die auch manchmal nicht weniger dramatisch sein konnten. Trotzdem war es angenehmer portionierbar und „Fringe“ war gerade dabei, in das große Charakterdrama einzusteigen.

Eigentlich wollte ich schon weitersehen, denn genau das ist, was ich an so Serien liebe – was mich aber auch immer wieder fertig macht. Trotzdem war um Weihnachten herum einfach eine schlechte Zeit für „Fringe“. Daher machten wir Pause – bis dieses Wochenende.

Zunächst war ich noch ein wenig zögerlich, ob wir wirklich weitersehen sollten, denn das Charakterdrama hat an einer unangenehmen Stelle aufgehört, aber eigentlich wollte ich auch eine Auflösung sehen – in irgendeine Richtung. Also Augen zu und durch und ich bin froh.

Denn die drei Folgen, die wir jetzt am Wochenende gesehen haben, haben mich wieder begeistert. Gerade die Folge mit dem Gedankenleser war so großartig! Einfach raffiniert, den Folgen-Plot lediglich als Hintergrund zu nehmen, um weiter das Charakterdrama anzukurbeln.

Ich hatte also wieder ungeheuer viel Spaß – lediglich bei der letzten Folge jetzt, die wieder im anderen Universum spielt, hatte ich zwar größtenteils auch Spaß, aber ich muss gestehen, dass einer der Plot-Twists (keine Sorge, ich verrate nichts) mir doch ein wenig schwer im Magen gelegen hat und ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich nur ist, weil er das bevorstehende Drama verschärft.

Vielleicht ist es das. Aber so dicht nach der Folge kann ich das schwer sagen. Ein Bauchgefühl sagt  mir, dass mir das unabhängig davon nicht so ganz gefällt. Das wäre aber das erste Mal überhaupt bei „Fringe“, dass ich so etwas habe.

Von daher: Selbst wenn ich herausfinden sollte, dass das nicht nur ein ungutes Gefühl ist, weil das so viele Sachen verkompliziert, glaube ich, dass ich dennoch weiterhin gut Spaß an der Serie und den Entwicklungen haben kann. Denn dafür stimmt das Drumherum einfach auch viel zu sehr, denn tolle Charaktere bleiben tolle Charaktere – und das haben sie wirklich hervorragend geschafft, dass auch die Charaktere aus der alternativen Welt einem irgendwie ans Herz wachsen; selbst Walternate.

Everyone will get rewarded

Heute einen gemütlichen 1. Weihnachtsfeiertag vor? Ich hätte da eine kleine Empfehlung, die allerdings ein wenig länger dauert, aber aus einem der Animes ist, die ich dieses Jahr gesehen habe und die mich ungeheuer beeindruckt haben: „Toradora!“ – und zwar die Weihnachtsfolgen.

Ich habe vor kurzem schon das tolle Weihnachtslied verlinkt, aber ich denke, über diese ruhigen Tage hinweg hat vielleicht der Eine oder Andere von euch Zeit und Lust, mal in ein paar mehr Folgen dieses hervorragenden Animes reinzuschauen.

Wer die Serie noch nicht kennt, der bekommt da natürlich so einiges an Spoilern ab, denn dabei handelt es sich um die Folgen 17-19. An sich würde ich auch noch am liebsten die restlichen Folgen empfehlen, aber da die Serie nur 25 Folgen hat, könntet ihr sie auch sowieso gerade zu Ende sehen.

„Toradora!“ baut in den ersten Folgen ein ungeheuer kompliziertes Beziehungsgeflecht zwischen den fünf Charakteren auf, das sich kaum schmerzfrei entwirren lässt und die Weihnachtsfolgen werden zum Höhepunkt, ab dem irgendwie alles den Berg ab zu gehen scheint, denn so viele Charakterentwicklungen, die bis dahin angespannt wurden, entladen sich ungeheuer kraftvoll in diesen Folgen und man meint, dass es nur in einer Tragödie enden kann.

Aber dennoch sieht man zwischen den Zeilen der Folgen, wie viel die Charaktere sich doch gegenseitig bedeuten und wie wenig sie den Anderen doch weh tun wollen – es aber machen, weil sie wiederum Anderen nicht weh tun wollen. Das ist es, warum ich es so wunderschöne Weihnachtsfolgen finde, auch wenn sie ungeheuer tragisch sind, denn an Weihnachten geht es immerhin um Freundschaft, Liebe und Nächstenliebe und man spürt das in diesen Folgen einfach durch die Bank weg.

Eine kurze Zusammenfassung für jene, die die Serie nicht kennen, aber mal in die Folgen reinschnuppern wollen?

Riyuji ist ein junger Schüler, der ein wenig ein Außenseiter auf Grund seiner Augen ist, da viele seinen stechenden Blick nicht abhaben können. Aber trotz dieses „Mörderblicks“ verbirgt sich hinter seiner Fassade eine zutiefst warmherzige und freundliche Person. Im neuen Schuljahr kommt Riyuji mit seinem langjährigen Freund Kitamura wieder in eine Klasse und mit seiner großen Jugendliebe: Minorin!

Man denkt, es könnte nicht besser laufen, doch da stößt Riyuji mit Taiga Aisaka zusammen, die zwar klein ist, aber ein ausgesprochen cholerisches Kendo-Temperamentsbündel und beide können sich nicht ausstehen. Zu allem Überfluss wohnt Taiga auch noch direkt neben Riyuji und sie ist sogar die beste Freundin von seinem Schwarm Minorin. Aber wie herauskommt, hat Taiga ein Auge auf Riyujis Kumpel Kitamura geworfen.

Daher schließen Riyuji und Taiga einen Pakt: Sie wollen dem jeweils anderen helfen, seine große Liebe zu erobern! Beide haben das auch dringend nötig, denn beide können nicht mit dem Objekt ihrer Anbetung vernünftig reden, stammeln nur, werden unbeholfen oder Ähnliches.

Im Laufe der Geschichte überkommen Riyuji und Taiga natürlich ihre anfängliche Feindschaft, da sie viel gemeinsam durchstehen müssen und so wächst die kleine Clique aus den vieren immer enger zusammen – es kommt ein wenig später sogar noch das junge Model Ami hinzu, die Taiga beneidet und selbst auch ein Auge auf Riyuji geworfen hat. Ihr könnt euch also vorstellen, was da für ungeheure Verwicklungen allesamt am Laufen sind und ich kenne kaum eine Serie, die gekonnter mit diesem herrlichen Beziehungs-„Fünfeck“ umzugehen weiß.

Die Charaktere haben allesamt ungeheuer viel Hintergrund, den ich nur schwer gerade zusammenfassen kann. Eigentlich muss man es schon fast von Anfang an gesehen haben, denn Riuyji lebt mit seiner alleinerziehenden und merkwürdigen Mutter zusammen, während Taiga ganz allein in einem luxuriösen Appartment ohne ihre Familie wohnt.

Die ganze Spannung dieses Fünfecks entläd sich mehr oder weniger an Weihnachten, wo es für manche ein paar überraschende Erkenntnisse gibt. Zwar ist Folge 17 noch nicht direkt die Weihnachtsfolge, aber dort fängt es bereits langsam an.

Ich liebe diese Serie für ihre ungeheuer starken Charaktere, für den Mut auf dieses komplizierte Beziehungsgeflecht, für die Symbolik, die in so vielen stillen Momenten geschieht, für die ungeheuer bedeutungsvollen Gesten und Szenen, die immer wieder so viele Momente in dieser Serie geradezu episch machen, obwohl es „nur“ um Beziehungen geht.

Wenn ihr Zeit und Lust habt und euch diese Zusammenfassung ein wenig neugierig gemacht hat, dann schaut einfach mal in die Serie von Anfang rein oder seht euch die verlinkten Weihnachtsfolgen nach dem Spoiler-Cut an. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie großartig diese Serie doch ist. Sie ist so still und ruhig und doch so rasant und herzzerreißend.

Ich werde mir die Folgen jedenfalls sicherlich auch heute im Laufe des Tages bei meinen Schwiegereltern auf dem Laptop ansehen – und danach bestimmt wieder ganz fertig sein. Denn sie sind so schön, aber auch so bewegend.

Ich liebe allein die Cliffhanger, die es an nahezu jeder Folge gibt, wenn schon kurz vorher das Ending-Lied eingespielt wird, aber die Folge noch weiterläuft. Die Serie ist Drama pur!

Denkt daran: Es handelt sich dabei um ein Romantic-Drama mit starkem Charakterfokus. Es geht um Beziehungsprobleme und Selbstfindung von Teenagern. Wer das Genre oder solche Themen nicht mag, wird die Serie nur langweilig finden. Alle Anderen können ja mal reinschnuppern:

Spoiler-Cut

Saa Christmas ippai no egao

Heute verlinke ich euch das Weihnachtslied 2011 für mich, denn „Toradora!“ gehört für mich zu den Serien, die mich am meisten dieses Jahr beeindruckt haben und die Weihnachtsfolge war einfach so schön! Dazu dann noch dieses herausragende Lied, das so dramatisch perfekt gesetzt ist zu einem Zeitpunkt, in dem die Charakterentwicklung tragische Züge annimmt. Der Text verstärkt die Tragik der folgenden Szenen nur um so mehr.

Dieses Video zeigt das komplette Lied mit Text und Übersetzung mit einigen Szenen aus dem Anime, die meiner Ansicht nach fast gar nicht spoilen, aber einen schönen Eindruck von so vielen tollen Szenen geben. Allein beim Ansehen und dem Erinnern an manche Momente wird mir jedenfalls schon wieder ganz anders:

So! Schön! So! Herzergreifend!

„Toradora!“ kann ich wirklich nur empfehlen, denn mich hat dieser charakterzentrierte Anime wirklich extrem bewegt, berührt und inspiriert. Es ist keine lange Serie und die Zeit, die man dafür aufwendet ist wirklich gut angelegt. Daher meine Anime-Empfehlung zu Weihnachten, denn irgendwie passt „Toradora!“ einfach perfekt zu Weihnachten.

Es ist einer der schönsten Animes, die ich bisher gesehen habe. Selten so tiefe und interessante Charaktere gesehen und so viel Mut, im Umgang mit Liebesdreieck-Problemen.

Queens of Voices

Manchmal bin ich ja neugierig. Na gut, streicht das. Ich bin grundsätzlich neugierig. Nur hin und wieder werden mir Dinge bewusst, die ich nicht weiß und dann muss ich da nachforschen. So ging es mir, als ich mal wieder „Silky Heart“ gehört habe und mich plötzlich gefragt habe, wie die Synchronsprecherin von Taiga aussieht.

Es ist wirklich spannend, sich mal die Sprecher hinter den Figuren anzusehen und man ist häufig sehr überrascht, wie anders diese Personen dann doch sind – aber wie ungeheuer sympathisch meist. So ist mir bei ein paar Interviews mit Tara Strong (Sprecherin von Twilight Sparkle, Rikku, Raven und vielen mehr) aufgefallen, wie witzig und spontan die Frau doch ist. Das ist sowieso ein ungeheuer spannendes Interview:

Will it be yes or will it be sorry

Es sieht momentan wirklich so aus, als ob ich die letzte Staffel von „Dawson’s Creek“ endlich zu Ende sehen könnte. Danke „Toradora!“ habe ich mir nämlich einen netten Rhythmus angewöhnt, vor dem Schlafen noch eine Episode zu schauen. Zwar waren es bei „Toradora!“ normalerweise nur ca. 20 Minuten, aber da ich die Serie kaum bei Seite legen konnte, wurden es auch häufiger mal zwei oder drei hintereinander.

Zugegeben, bei „Dawson’s Creek“ wurden es auch schon einmal jetzt zwei Folgen hintereinander, weil ich den Cliffhanger so nicht stehen lassen konnte – dadurch wurde es auch schon mal 24 Uhr. Langsam nähere ich mich der letzten DVD.

Eine witzige Sache bei „Dawson’s Creek“ ist, dass mich diese Serie schon lange begleitet und witzigerweise immer doch so einige Parallelen zu meinem Leben hat. Vielleicht ist es daher auch eine meiner Lieblingsserien, weil sie mich tatsächlich berührt und über ein paar Punkte nachdenken lässt – manchmal sogar Anstoß gibt.

So haben meine Frau und ich beispielsweise letztes Wochenende uns endlich von unserem alten Fernseher getrennt und einen LCD-Fernseher gekauft. Wie mir dann erst auf dem Heimweg vom Media Markt klar wurde, hatte ich wenige Tage zuvor die Folge gesehen, in der sich Pacey und Jack einen neuen Fernseher besorgen. Das ist nur eine Kleinigkeit, aber es gibt auch durchaus größere Parallelen, die mir im Laufe immer wieder aufgefallen sind.

Dadurch, dass die Charaktere bei „Dawson’s Creek“ alle sehr introspektiv sind, viel über sich und die Welt um sich herum nachdenken, gibt es interessante Gedankenanstöße oder Richtungen, aus denen man manches betrachten kann. Es ist schon schade, dass „Dawson’s Creek“ von vielen auf eine Ebene mit einer Serie wie „Beverly Hills 90210“ gesetzt wird, denn „Dawson’s Creek“ ist deutlich intelligenter, witziger und tiefer – nur sehen das viele leider nicht.

Für mich bleibt „Dawson’s Creek“ weiterhin eine großartige Serie und es ist auch schön zu sehen, dass ebenso in der letzten Staffel Pacey richtig viel Spotlight bekommt – nach wie vor bin ich dafür, die Serie in „Pacey’s Creek“ umzubenennen, denn er ist und bleibt einfach der interessanteste Charakter der Clique.

I don’t wanna wait

Heute ist Feiertag, aber da ich mir morgen keinen Urlaub genommen habe, bin ich hier in Karlsruhe geblieben. Das ist bisher extrem entspannend, wenn auch natürlich ein wenig eintönig, denn ich wäre lieber bei meiner Frau zu Hause in Frankfurt.

Dafür habe ich aber die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mich zu einem Endspurt aufgemacht: Ich will endlich eine meiner Lieblingsserien zu Ende sehen – „Dawson’s Creek“. Ja, ich stehe dazu, dass ich diese Serie ganz großartig finde. Leider ist es auch hier einmal wieder ein Fall von „auf Deutsch fürchterlich“, weswegen ich sie nur im Original sehen kann, auch wenn manche Sprecher recht schwer zu verstehen sind.

Wieso habe ich diese Serie noch nicht zu Ende gesehen, wenn es doch eine meiner Lieblingsserien ist? Ich weiß es – ehrlich gesagt – nicht mehr genau. Ich glaube aber, dass ich die letzte Staffel angefangen habe zu sehen, aber dann irgendetwas extrem Zeitfressendes dazwischen kam. War es meine Magisterarbeit? Die mündlichen Prüfungen? Oder doch die Stellensuche? Ich weiß es nicht mehr.

Wobei selbst da dann noch ein wenig zeitliche Verzögerung war, da ich mir die Staffeln erst einige Zeit nach ihrer Ausstrahlung im Fernsehen geholt habe. Warum ich sie im Fernsehen dann gesehen habe, obwohl ich es als nicht genießbar ansehe? Damals kannte ich die englische Fassung noch nicht und muss sagen, ähnlich wie bei „Buffy“ und „Angel“, dass man nicht mehr zurück kann, wenn man einmal das Original gesehen hat.

Zum einen gab es ähnliche Übersetzungspatzer, wie bei „Buffy“. Bei „Buffy“ gab es ja die bekannte „Dagon’s Sphere“, die im deutschen mit „Dagons Furcht“ übersetzt wurde, weil der Übersetzer irgendwie meinte, er wolle unbedingt „“Dagon’s Fear“ übersetzen. Bei „Dawon’s Creek“ gab es dann solche Sachen, wie eine Szene, in der Jen sinngemäß sagt: „This is something we didn’t learn on ER“ – womit ziemlich deutlich die Fernsehserie gemeint war. In der deutschen Fassung wurde es dann leider zu „das haben wir aber nicht in der Notaufnahme gelernt“.

Großes Übersetzungskino, leider gehen damit ein paar extrem wichtige Ebenen der Serie verloren, denn „Dawson’s Creek“ ist eine postmoderne Charakterserie, das heißt es gibt unzählige Pop-Kulturreferenzen und das ist ein Aspekt, der mir an der Serie so ungeheuer viel Spaß macht. Dann sind die Charakter ungeheuer gut gezeichnet. Leider wird „Dawson’s Creek“ gerne mit „Beverly Hills 90210“ verglichen, aber diese Serien haben ungefähr genauso viel miteinander zu tun wie „Die Simpsons“ und „Oggy und die Kakerlaken“.

Wer schreiben will, kann bei dieser Serie wunderschön Charakterplots sich abschauen, wie man mit einem recht beständigen und nicht gerade großen Cast an Leuten wunderschöne Plots baut, bei denen sich zwar die Charakterbeziehungen durchaus mal ändern können, aber es nicht ein ständiges Bäumchen-wechsel-dich ist. Auch wenn ich persönlich ja „Authentizität“ recht belanglos finde, aber wenn man dieses Wort nicht in den Mund nehmen will, so kann man zumindest sagen, dass die Charaktere alle „glaubwürdig“ sind.

Es wurde mir mal gesagt, dass „Dawson’s Creek“ blöd wäre, weil die Jugendlichen sich nicht so unterhalten wie Jugendliche. Dawson wäre viel zu intellektuell und auch die Anderen sprechen viel zu gehoben. Mag sein, dass ich da wirklich ein Sonderfall bin, aber mein Freundeskreis war tatsächlich teilweise dann wohl intellektueller als viele andere, denn wir haben uns auch so unterhalten und nicht nur „boah, krass, Alder“ (auf heutige Maßstäbde übersetzt).

Ja, ich erkenne viel in „Dawson’s Creek“ wieder und daher reißt mich diese Serie so ungeheuer mit. Mein persönlicher Lieblingscharakter ist Pacey Whitter – ich mag ihn einfach und für mich ist Dawson zwar durchaus in mancher Charakterentwicklung interessant, aber für mich dreht sich die Serie nicht um Dawson und Joey, sondern um Pacey. Pacey ist einfach der spannendste und sympathischste der Charaktere. Joey könnte ich immer mal wieder gerne zusammenpfeifen, Dawson ist häufig einfach merkwürdig und dann gibt es natürlich noch Jen, die in Ordnung ist, und Jack ist natürlich auch vernünftig. Aber Pacey ist einfach der Beste.

Da bin ich also wieder und sehe mir die ersten Folgen an – bestimmt zum vierten Mal, denn ich habe mehrere Anläufe probiert und immer ist mir was dazwischen gekommen, so dass ich zu lange Pause hatte und den Anschluss verloren habe. Da ich aber vor kurzem regelmäßig „Toradora“ geschafft habe zu schauen, bin ich guter Dinge, dass ich das mit „Dawson’s Creek“ auch schaffen werde. Ich freu mich tierisch!

Tiger & Dragon

Es geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. Was? „Toradora“! Ich bin wirklich erstaunt, wie sehr diese Serie sich in meinen Kopf eingebrannt hat. Eigentlich dachte ich, dass „Melancholy of Haruhi Suzumiya“ seit langem die beeindruckenste Anime-Serie war, die mich auf lange Zeit als einziges so richtig von den Socken haut. Bitte nicht falsch verstehen: „Melancholy of Haruhi Suzumiya“ ist genial, ein absolutes Meisterwerk! Aber trotzdem hat mich die Serie emotional nicht so sehr mitgenommen.

„Melancholy of Haruhi Suzumiya“ konnte ich einfach ansehen, aber „Toradora!“ hat mich echt zwischendurch fertig gemacht – sowas habe ich schon lange nicht mehr erlebt und eigentlich sehr selten. Die letzten Male, dass ich so mitgenommen war von einer Serie, war bei Dawson’s Creek die 4. Staffel und bei Buffy die 6. Staffel. Das war jeweils an so einem Grenzpunkt von mir, wo ich das Drama zwar toll fand, aber teilweise einfach nicht mehr weiterschauen konnte.

„Toradora!“ hat es aber nicht so übertrieben wie Dawson’s Creek und Buffy in dem Moment. Denn sowohl Dawson’s Creek als auch Buffy habe ich mehrere Anläufe gebraucht, um diese Staffeln zu Ende zu sehen. Nicht weil sie so schlecht waren, sondern weil mich das Charakterdrama zu sehr mitgenommen hat. „Toradora!“ ging – gerade noch so. Aber dadurch war es sogar fast noch schlimmer für mich, denn ich habe mir nicht die Zeit zwischendurch genommen, um Abstand zu bekommen, sondern habe es dann in einem Rutsch durchgeschaut.

Und jetzt sitze ich da und „Toradora!“ ist vorbei und ich denke mir: Ich will nicht, dass es vorbei ist. Aber es ist definitiv besser, denn die Serie hat die Handlung in eine perfekte Serienlänge gepackt – kürzer wäre unpassend gewesen und länger wäre zu viel gewesen. So gibt es eine wunderbar in sich geschlossene Handlung mit einem klaren Ziel, wodurch die Serie einfach rund ist. Vielleicht nehme ich sie mir in die Türkei nächste Woche mit und schaue sie mir dort noch einmal an. Obwohl ich andererseits in der Türkei endlich mal die letzte Dawson’s Creek-Staffel anschauen wollte – wo wir sowieso schon einmal bei Herzschmerz und Charakterdrama sind. Ja, ich mag solche Sachen – ungemein!

Woher kommt eigentlich der Name „Toradora!“? Es ist eine Anspielung auf die beiden Hauptcharaktere Taiga und Ryuji. Ich selbst kann kein Japanisch, aber es ist wohl so, dass Taiga im Japanischen wie „Tiger“ ausgesprochen wird und die japanischen Zeichen das Wort „Tora“ ergeben. Bei Ryuji ist es ähnlich, denn die erste Silber „Ryu“ bedeutet wohl „Drache“ und das wiederum heißt im Japanischen „Dora“. Witzigerweise scheinen Tiger und Drache im Japanischen Feinde zu sein und das ist immerhin auch genau die Situation heraus, aus der die beiden Charaktere starten.

Vielleicht habe ich den ein oder anderen jetzt neugierig auf „Toradora!“ gemacht, dann einfach mal in das folgende Video schauen. Der Anfang zeigt übrigens den Hauptcharakter Ryuji, wie er mit Hilfe eines Magazins und einer neuen Frisur probiert, seine verstörenden Augen zu vertuschen. Der Anfang ist so schön! Gerade was Ryuji und Taiga im Off erzählen, während beide Charaktere gezeigt werden… ach, da könnte ich wieder seufzen.

Schaut mal rein, wenn ihr romantische Animes mögt:

Ryuji: „There’s something that not a single person in this world has seen. It’s gentle, and very sweet. Probably, if they ever had the chance to see it, anyone would want it.“

Taiga: „That’s why the world hid it. So that you couldn’t get it easily.“

Ryuji: „But someday, someone will find it.“

Taiga: „That one person who should have it, will be able to find it.“

Ryuji und Taiga: „And that is how we began.“

Einfach schön… oder um es mit einem Kommentar von YouTube zu sagen: „Toradorable!“

Don’t give the people what they want, give them what they need

„Toradora!“ schafft mich! Das meine ich ernst! Normalerweise schaue ich nur eine Folge pro Tag, aber letzte Woche hatte ich einen Rappel und habe jedes Mal mehrere Folgen am Stück geschaut und jetzt bin ich an einer Stelle gegen Ende angelangt, an der ich am liebsten die restlichen Folgen in einem Rutsch gesehen hätte. Denn das Charakterdrama wird genauso fies, wie am Ende von „Wedding Peach“, wo ich wirklich extrem mitgelitten haben und geschwankt habe zwischen: „Toll! Was für ein Drama! Muss weiter schauen!“ und „Nein! Das halte ich nicht mehr aus! Das ist so fies!“

Die letzten zwei Folgen, die ich gesehen habe, die haben mich echt mitgenommen. Allein diese Szene am Ende der Weihnachtsfolge mit Taiga vor ihrem Haus und Minorin, die nebendran steht und dann danach die Szene zwischen Minorin und Ryuji! Argh! So verzweifelt habe ich schon lange nicht mehr bei einer Serie vor dem Fernseher gesessen. Das ist Charakterdrama par excellence! Ich liebe es! Ich verzweifle daran!

„Toradora!“ ist damit ganz im Sinne der Joss Whedon-Philosophie: „Don’t give the people what they want, give them what they need.“ Ich will, dass sich die mittlerweile wirklich total verqueren Charakterbeziehungen auflösen, dass es „mein“ Traumpaar zusammenkommt, aber die Serie ist so unglaublich fies, dass sie mir genau das vorenthält. Aber nicht nur das! Sie streckt mir auch noch die Zunge raus, indem sie immer mal wieder mich lockt, dass ich denke: „Ja! Genau!“ und dann kurz bevor es klappt, zieht es mir dann den Teppich unter den Füßen weg und ich schlage noch härter auf dem Boden auf.

Die Serie spielt so unglaublich gut damit, denn sie weiß ganz genau, wo die Sympathien liegen und was man in diesem Moment eigentlich will. Das Problem ist: An sich kann man die Charakterbeziehungen nicht harmonisch auflösen! Das ist das große Drama der Serie! Sicherlich kann es mit „meinem“ Traumpaar klappen, aber da auch die anderen Charaktere so ungeheuer sympathisch geschrieben sind, tut es einem dann für die leid. Egal, wie man es wendet, am Ende der Serie kann doch nur eine Katastrophe stehen! Oder doch nicht? Das muss ich herausfinden, sonst werde ich noch wahnsinnig!

Daher heißt es dieses Wochenende: „Toradora!“ zu Ende sehen! Alles Andere halte ich nicht aus! So eine tolle Serie! Einmal wieder möchte ich hier das zweite Opening verlinken, auch wenn das schon zum x-ten Mal passiert ist. Das Lied ist aber so toll und die Bilder fangen die Serie so unglaublich gut ein! Ich liebe diese Szene am Anfang, wenn die Hauptcharaktere aufeinander zu und aneinander vorbeilaufen mit stoischem Gesichtsausdruck! Ich liebe die Schlussszene, wenn sich die Hauptcharaktere um Taiga versammeln, um ihr Essen zu geben und die Gestik und Mimik jedes einzelnen Charakters in diesem Moment! Das ist ein so unglaublich gutes Opening gerade für dieses herzzerreißende Drama der letzten Folgen! Es passt also verdammt gut, wenn die letzten Folgen kurz vor Schluss auf dieses hervorragend passende Opening gewechselt wird, denn es zeigt einfach die Dramatik, den Schwung, aber auch die Tragik, die die Handlung ab dann nimmt.

Da ich das Opening aber bereits so häufig verlinkt habe, kommt es erst nach dem Cut. Und ich gehe jetzt die restlichen Folgen anschauen…

Every man in his humour

Zwar hatte ich jetzt wieder eine kleine Pause gemacht seit der letzten DVD, doch habe ich vor kurzem mit der zweiten DVD von „Toradora“ angefangen und bin schon wieder einfach hin und weg. Das ist einfach ein so schöner Anime! Ich sitze wirklich in eigentlich jeder Folge gerührt davor, weil die Charaktere einfach so großartig sind – durch die Bank.

Sicherlich hat jeder so seine Favoriten an Charakteren, aber mittlerweile habe ich ein ähnliches Gefühl wie in Babylon 5: Ich hätte Schwierigkeiten, meine Lieblingscharaktere zu benennen. Na gut, dass mir Taiga tierisch ans Herz gewachsen ist, habe ich jetzt schon mehrfach geschrieben. Ich mag einfach den kleinen Handtaschentiger, wie sie cholerisch um sie schlägt und tritt, aber trotzdem so sensibel ist.

Toradora lebt nicht vom Plot, es lebt von Szenen und Momenten, denn in diesen werden die Charaktere ungeheuer stark. Kleine Gesten, die große Bedeutungen haben – das ist, was Toradora für mich so genial macht. Es sind kurze Dialoge, die ungeheuer tiefgründig sind und viel über die Charaktere erkennen lassen, mal auch nur eine Gesichtsmimik oder eine Handbewegung, mal auch nur eine Positionierung im Raum.

Ja, natürlich sind die Charaktere manchmal auch überzogen, aber dennoch authentisch auf ihre eigene Weise. Es ist ein wunderschönes Beziehungsfünfeck, das mich begeistert vor dem Fernseher sitzen und sagen lässt: „Wenn man Charaktere skizziert, dann so! Wenn man Spannungen in den Beziehungen aufbaut, dann so!“ Denn die Serie macht so unglaublich viel richtig und das obwohl es das häufig sehr still und leise macht; vielleicht liegt darin aber auch das Geheimnis.

Ich liebe beispielsweise aus dem ersten Ending, wie die drei weiblichen Hauptcharaktere mit den Schirmen laufen – jede auf ihre eigene Weise, teils recht subtil (na gut, Minorin ist nicht subtil). Das zeigt meiner Ansicht nach sehr schön, wie die Serie mit ihren Charakteren umgeht, die doch starke Profile haben und trotzdem wird vieles eher indirekt oder im Stillen gesagt. Finde ich eine wunderschöne Erzähltechnik.

Aber schaut euch das Ending einfach mal an und ihr versteht vielleicht, was ich meine und achtet auf Kleinigkeiten bei den Charakteren und schon habt ihr eine sehr gute Vorstellung davon, wie der Charakter ist – zumindest auf den ersten Blick. Denn das tolle an Toradora ist, dass so viel mehr noch unter der Fassade der Charaktere steckt.

Spannend wird es schon allein, wenn man sich die Regenschirme aus der ersten Einstellung anschaut und dann später, welcher Charakter zu welchem Schirm gehört. Denn dann fällt einem auf, dass die eigentlichen Freundinnen Taiga und Minorin ihre Regenschirme entgegengesetzt drehen, aber Taiga und Ami, die sich nicht ausstehen können, ihn in gleicher Richtung drehen. Oder die letzte Einstellung mit den fünf Regenschirmen: Riyui und Minorin stehen am weitesten auseinander und Taiga mittendrin. Vielleicht mag das alles gar nicht so beabsichtigt gewesen sein, wie ich es jetzt hereinlese, aber es passt einfach zu gut, um es ungesagt zu lassen.

That’s why the world hid it

Ich bin nun durch meine erste „Toradora!“-DVD durch und schon gespannt auf die zweite. Auch wenn die Serie eher ruhig anfängt und man vielleicht anfangs noch nicht so viel mit den Charakteren anfangen kann, hinter jedem der Charaktere steckt so viel mehr als es anfangs aussieht und die Beziehungen untereinander sind so vielschichtig – einfach toll.

Die Serie besticht durch kleine Szenen und Momente, die unglaublich großartig werden, aber ich möchte hier nicht zu viel verraten. Aber ich denke, wer mich ein wenig kennt, wird genau diese Momente bestimmt erkennen, bei denen ich mit Gänsehaut vor dem Fernseher gesessen habe oder gespannt meine Hand in die Sofalehne gekrallt habe.

Worum dreht sich die Serie? Fünf Charaktere und ihre merkwürdigen Verwicklungen untereinander. Es dreht sich um Liebe natürlich, aber in erster Linie dreht es sich um Freundschaft und auch die Masken, die man aufsetzt. Es geht darum, wie man mit Menschen auskommt, was einem wichtig ist, darum, wie allein man sein kann, obwohl man es nicht ist. Ich finde die Serie unglaublich rührend.

Die erste Episode mit englischen Untertiteln findet ihr übrigens hier. Schon allein der Anfang ist so wunderschön – gerade im Nachhinein:

Ich würde „Toradora“ als „Love Hina“ ohne Albernheiten bezeichnen, denn es ist sehr ernst, aber ähnlich verwickelt. Aber es hat gerade auch von der Tiefe der Charaktere unglaublich viel von „Melancholy of Haruhi Suzumiya“, aber ohne die abgefahrenen post-modernen Elemente. Es ist eine wunderbare ruhige romantische Anime-Serie.

Außerdem gehört der männliche Hauptcharakter zu den wenigen männlichen Anime-Charakteren, die ich wirklich mag. Der Arme kann einem echt häufiger leid tun, aber trotz seiner „bösen Augen“ ist er ungeheuer sympathisch, wie ich finde – und hat ein extrem gutes Herz. Aber trotz allem ist mein großer Favorit der Serie natürlich Taiga.