Damals vor’m Kriesch war alles besser!

Da ich es gerade mal wieder gelesen habe: „XYZ war das beste MMO aller Zeiten“, will ich zu dieser Aussage einmal eine ganz eindeutige und kompromisslose Antwort liefern: Nein!

Auch ich schwärme gerne von Ultima Online. Das wird vermutlich bei mir immer in guter Erinnerung bleiben. Ich schwelge und trauere den Zeiten nach. Ebenso würde ich mir manche Dinge davon in die heutige Zeit wünschen. So geht es scheinbar vielen Leuten. Ansonsten würde ich nicht ständig lesen: „DAoC war das beste MMO aller Zeiten“, „UO war das beste MMO aller Zeiten“, „WoW Classic war das beste MMO aller Zeiten“ etc.

Doch dann will ich einmal eine ganz ketzerische Frage stellen: Wenn es doch das beste MMO aller Zeiten war, wieso seid ihr nicht mehr dort? Es gibt immer einen Grund, warum man gegangen ist. Bei mir kann ich diesen Grund ganz eindeutig benennen: Es kam zu einem allgemeinen Exodus nach Neverwinter Nights, weil dieses Spiel endlich 3D war, weil die Grafik besser war (für damalige Verhältnisse) und das eben das nächste große Ding war. Also gab es offenkundig Dinge, die nicht so gut an Ultima Online waren.

Es war damals nicht alles besser!

Hast du etwas Zeit für mich?

Nein, dann singe ich kein Lied für dich, sondern wäre überaus dankbar. Denn bei all den Spielen, die diesen und nächsten Monat rauskommen, habe ich wirklich keine Ahnung mehr, wo hinten und vorne ist.

Ich habe kläglich versagt, meine bisherigen Spiele zu Ende zu spielen, so schlummert Atelier Rorona immer noch auf das Ende und Kingdoms of Amalur: Reckoning steckt auch noch im Beginn – aber wenigstens an einer Stelle, an der ich selbst in einem halben Jahr noch weiterspielen könnte.

Wenn ich bedenke, dass jetzt X-Com: Enemy Unknown rauskommt, dann noch Assassin’s Creed 3 im November ansteht und es noch ein paar Spiele gibt, die ich mir bisher zwar noch nicht geholt habe, aber gerne spielen würde wie Dishonored und Sleeping Dogs, dann merke ich, dass ich zu wenig Zeit für das alles habe.

Dabei sind hier noch nicht einmal die MMOs aufgeführt, denn im November gibt es auch die Erweiterung für Rift mit dem Housing, das nach bisherigen Informationen richtig genial sein soll. Und Housing ist etwas, nach dem ich mich schon seit Ewigkeiten in einem MMO sehne – nachdem ich es in Ultima Online leider verlassen musste und in NWN doch nie so das war, was ich kannte und wollte.

Wenn ich mir dann auch noch vor Augen halte, dass der Dezember und Weihnachten naht, dann bin ich unschlüssig. Ist das gut, weil ich da noch einiges an Urlaub habe und daher endlich mal hinterher kommen kann und darf ich mich auch darauf freuen, diese Spiele alle zu spielen? Oder wird das einfach nur stressig.

Aber da ist es dann auch wieder: Im Dezember sind auch schon die neue How I Met Your Mother-Staffel und auch die neue Chuck-Staffel angekündigt. Die vierte Staffel von Castle und auch die von Fringe müssten auch in dem Zeitraum rauskommen. Wieso immer alles zusammen? Wieso!

Konferenz der Rollenspieler

Ich bin ziemlich im Eimer und habe meinen Schlafrhythmus endgültig ermordet. Am Wochenende hatten wir Gildentreffen unserer Rift-Gilde, die es schon seit Aion gibt. Zwar hatten wir leider ein paar kurzfristige Abmeldungen, ein paar spontane Dramen etc., wodurch sich die Teilnehmerzahl ein wenig verringert hat, aber vermutlich eher gesund geschrumpft. Denn dadurch war es eine überschaubare Anzahl und wir hatten jede Menge Spaß.

Was haben wir gemacht? Viel geredet, Filme geschaut und Brettspiele gespielt – unter anderem „Twilight Imerium“ bis um 5 Uhr morgens, was auch meinen Eimerzustand erklärt. Am Ende waren wir uns einig, dass das Wochenende viel zu schnell vorbei ging und wir das unbedingt wieder machen sollten; dann hoffentlich auch mit denjenigen, die leider nicht kommen konnten.

Aber sind solche realen Gildentreffen nicht gruselig – gerade bei Rollenspielern? Nein, keineswegs, wieso auch? Es ist eigentlich auch nichts anderes, als sich mit Menschen zu treffen, die man nicht über das Internet kennengelernt hat. Gerade bei Online-Zockern verbringt man schließlich viel Zeit online miteinander und das in erster Linie auch, weil man nicht direkt nebeneinander wohnt. Da ist es ungemein interessant, die Leute dann auch real mal kennenzulernen. Das geht natürlich nicht immer, eben weil man über das ganze Land verteilt ist, aber das macht es auch immer zu etwas besonderem.

Merkwürdig ist das sicherlich nicht – zumindest kenne ich es seit einiger Zeit kaum anders. Ich vermute, das dürfte ungefähr eingesetzt haben, als ich mit dem LARPen angefangen habe. Seitdem hat sich mein Bekannten/Freundeskreis über ganz Deutschland verteilt, denn auch beim LARP trifft man sich eben an Wochenenden auf Cons und fährt danach wieder in vollkommen unterschiedliche Richtungen – leider. Da gewöhnt man sich an, dass Entfernung nicht unbedingt bedeutet, dass man sich nicht sehen kann oder will.

Natürlich ist das dann zeitaufwendiger, denn jetzt am Wochenende musste ich beispielsweise knapp 5 Stunden im Auto verbringen. Das frisst viel Zeit und Nerven, ist es aber allemal wert, wenn man nette Leute kennengelernt hat. Denn im Gegensatz zu vielen Leuten spiele ich Online-Spiele nicht, um ein Solospiel zu spielen, sondern um mit anderen zu spielen.

Wenn ich daran zurückdenke, dass wir bei unserem Ultima-Online-Shard auch solche Shardtreffen hatten und wie großartig die waren, trauere ich denen doch ein wenig hinterher. Auch unsere Newsgroup-Usertreffen der de.rec.spiele.rpg.misc waren immer sehr spaßig und lange Zeit ein regelmäßiges Event jedes Jahr für mich.

Ein wenig trauere ich diesen Events auch nach, denn das waren schon recht große Treffen und dadurch, dass es so viele Teilnehmer waren, hatten diese Treffen auch immer eine schöne Eigendynamik. Bei einem Treffen einer kleineren Gilde ist das dann natürlich ein wenig anders. Wobei ich es auch von größeren Gilden kenne, wie meine WoW-Raid-Gilde Ara Agrippina, bei der ich auch auf einem Gildentreffen mit meinem Brüderchen war.

Gildentreffen schweißen zusammen, sie lassen einander besser verstehen und kennenlernen.

The curse of a vivid mind

Sicherlich bleibt nicht alles so, wie es war und vieles verändert sich. Gerade bei Diskussionsplattformen kann man das immer wieder sehen. So war ich früher beispielsweise in der LARP-Mailingliste und die hatte ein riesiges Mail-Aufkommen damals, an dem ich zum Teil nicht unschuldig war.

Dort wurde gestritten, gealbert, philosophiert, theoretisiert, geplant und so weiter. Manchmal war es heftiger, manchmal weniger heftig. Irgendwann hörte ich auf, in die LARP-ML zu schreiben. Ich weiß nicht mehr genau warum. Dunkel meine ich mich erinnern zu können, dass ich von irgendetwas so angenervt war, dass ich keine Lust mehr hatte, ständig einen auf die Schnauze zu bekommen. Zwar denke ich, ich weiß sogar noch von wem und was es ungefähr war, doch von Toten soll man nicht schlecht reden, daher belasse ich es bei dieser Andeutung.

Immer mal wieder kommt alle Jubeljahre mal eine Mail in die LARP-ML. Trotzdem ist sie schon seit langer Zeit tot. Ohne mich da selbst loben zu wollen, aber ich glaube, ich gehörte damals durchaus zu denjenigen, die die Liste mit am Leben gehalten haben, denn ich war ungeheuer aktiv in den Diskussionen, habe häufig genug selbst welche angezettelt, aber nachdem mir die Lust daran verdorben wurde, gab es wohl auch kaum noch jemand, der da wirklich dahinter war. Also versickerte es und scheinbar verdampfte das Diskussionsinteresse in irgendwelche Foren.

Jetzt war es einmal wieder soweit und es kam tatsächlich eine Mail.

Elite

Ich spiele Rift auf einem RP-PvE-Server. Dank Wochenendpendelei habe ich deutlich weniger Zeit als früher und bin zwar definitiv Rollenspieler, aber würde mich eher als „Casual Roleplayer“ bezeichnen. Was bedeutet das? Ich spiele auch mal den Abend nur Instanzen oder mache nur PvP. Ich mache nicht alles in-character, denn für manches reicht meine Zeit nicht und manches ist mir einfach zu blöd.

Die Zeit reicht mir nicht, wenn ich ein Dungeon in-character mache, denn wenn ich für gewöhnlich eine Stunde für das Dungeon brauche, werden es mit Rollenspiel gut und gerne mal vier Stunden. Zu blöd wird genau das gleiche dann, wenn ich mir schon wieder hahnebüchene Erklärungen ausdenken muss, warum ich jetzt zum x-ten Mal den benannten Mob da vorne umhauen muss. Das ist auch der gleiche Grund, warum ich nicht in Rolle queste – ich bin zwar anspielbar, aber dann ist mein Charakter aus einem anderen Grund dort. Ich verwende also durchaus meine Online-Zeit nicht unr auf das Rollenspiel.

Das war früher einmal anders, denn ich habe auf Ultima-Online-Hardcore-RP-Shards und NWN-Hardscore-RP-PWs gespielt – bei letzteren hatten wir sogar unseren eigenen Server gemacht, wo ich Gründer, SL, Reviewer und Mädchen für alles, was nicht mit Technik zu tun hatte, war. Geht aber nicht mehr und ich will es auch nicht mehr, denn ich will auch die anderen Aspekte eines Spieles entdecken.

Es gibt aber natürlich trotzdem auch in MMORPGs Hardcore-Rollenspieler, doch ich muss gestehen, dass sie mich größtenteils enttäuschen. Da wird gefordert, dass man alles im Rollenspiel macht, 24/7 anspielbar sein sollte und sowieso Engine und manchmal Leveln so ganz böse wären. Doch was sind meine Erfahrungen mit den Hardcore-Rollenspielern von heute? Es sind Pseudo-Elite-RPler.

50 über Nacht

Vorgestern bin ich in Rift Level 50 mit meinem Hauptcharakter geworden. Ich war zunächst ein wenig zögerlich, weil angeblich das Endgame in Rift so lasch sein soll. Aber dann dachte ich mir: „Nein, das sagen alle. Du weißt, dich zu beschäftigen.“ Und damit hatte ich tatsächlich nie ein Problem. Schon allein, wenn ich bedenke, wie ich mich die ganze Zeit in Aion beschäftigen und Spaß haben konnte auf Endlevel und Rift bietet einfach so viel mehr Möglichkeiten.

Was habe ich vor? Ganz viel PvP machen, denn die Kriegsfronten machen einfach Spaß – am besten natürlich mit meiner Gilde, denn seien wir ehrlich: Random-BGs sind eher was dafür, wenn man sowieso gute Laune hat, aber man kann sehr schnell frustriert sein. Da macht es mit der eigenen Gilde doch viel mehr Spaß. Was gibt es noch? Instanzen! Es gibt noch so einige, in denen ich gar nicht drin war und außerdem gibt es auch noch die Experten-Versionen, die sogar leicht anders sein soll und nicht einfach nur schwerer. Was bleibt noch? Artefakte, Rätsel, Quests und Risse! Oh ja! Invasionen! Elite-Events!

Warum habe ich also gezögert? Natürlich ist es jetzt für mich zwei Tage danach schwer zu sagen, aber  ich will das jetzt schreiben, um in ein paar Monaten darauf rückblicken zu können, um zu sehen, ob meine Vermutung richtig war: Spaß hat, wer Spaß haben will und sich beschäftigen kann. Es ist nicht so, dass man sich in Rift nicht beschäftigen kann. Außerdem habe ich immer noch das Rollenspiel und damit sollte es mir sowieso nicht langweilig werden. Wer ein MMO spielt und auch noch Rollenspiel nicht abgeneigt ist, der wird sowieso dauerhafter und mehr Spaß haben – davon bin ich mittlerweile überzeugt.

Denn selbst, wenn ich  mal allen Content durch hätte (was sicherlich nicht so schnell passieren wird), wenn alle Rätsel gelöst, alle Artefakte gefunden und alle Quests absolviert sind, dann habe ich immer noch das Rollenspiel, in dem ich Plots anstoßen und etwas bewegen kann bis zum nächsten Content-Update. Denn im Gegensatz zu vielen MMO-Spielern habe ich nicht verlernt, mich zu beschäftigen. Das ist etwas, das ich damals bei Ultima Online gelernt habe, das ist etwas, was ich lange in NWN praktiziert habe. Und ich bin froh, dass ich das kann und es ist schade, dass so viele das nicht können.

All my life

Ich habe mir das Lifetime-Abo für „DC Universe Online“ zugelegt! Eigentlich wollte ich den Freimonat auskosten, aber dennoch wurde ich langsam ein wenig nervös, da ich mir nicht sicher war, wie lange SOE dieses Angebot hat. Daher habe ich mir nach recht intensivem Spielen letzte Woche und am letzten Wochenende folgende Frage gestellt: „Wenn das LTA nicht mehr möglich ist bei DC Universe Online, ärgere ich mich dann oder bin ich nur enttäuscht?“

Das war eine ungeheuer wichtige Frage und ich denke, das ist die Frage, die man sich bei sowas immer stellen sollte. Da ich nun das LTA habe, könnt ihr euch meine Antwort denken – ich wäre massiv verärgert gewesen über mich selbst. Aber sollte man überhaupt so früh so etwas abschließen, wenn man noch gar nicht absehen kann, wie das Spiel weiterlaufen wird und ob man im Endcontent Spaß haben wird und was überhaupt der Endcontent ist?

Meine Rechnung war eine ganz einfache: Das LTA kostet 180 Euro (nur für den PC erhältlich). Ein Monat kostet 13 Euro. Damit bin ich dann also nach knapp 13 Monaten auf Null raus. Das ist der Moment, in dem es sich tatsächlich finanziell gelohnt hat. Doch ich denke, das ist nur einer der Punkte, die man dabei beachten sollte.

Für mich wichtiger war folgende Überlegung: Ich habe ein Hauptspiel – Aion. Mag sein, dass das irgendwann wechselt, aber ich verwende sehr viel Zeit auf mein derzeitiges Hauptspiel. Lange Zeit war es Ultima Online, dann Neverwinter Nights, dann WoW, zwischendurch sogar mal City of Heroes und jetzt eben Aion.

Ich brauche aber immer ein Spiel nebenher, um die Distanz zu meinem Hauptspiel zu wahren, um weiterhin Spaß daran zu haben. Wenn dieses Spiel aber mit Abo-Gebühren einher kommt, dann tut das weh, denn ich muss mir jeden Monat die Frage stellen: „Lohnt es sich wirklich?“ Und streng genommen „lohnt“ es sich nie, wenn man ein zweites Spiel auf niederer Priorität laufen hat.

Daher ist ein LTA so toll. Ich bezahle einmal und treffe einmal die Entscheidung und muss mir danach keine Gedanken mehr darum machen. Daher habe ich damals beim LotRO-LTA zugeschlagen und jetzt auch bei DCUO. Es geht nicht darum, ob ich es ständig spiele, aber es geht darum, dass das Spiele sind, die mir gefallen, die mir Spaß machen, wenn ich aber eine monatliche Abo-Gebühr bezahlen müsste, ich vermutlich keines davon wirklich anrühren würde. So habe ich die Möglichkeit immer mal wieder und kann vollkommen sorgenfrei einloggen.

Das war übrigens auch der Punkt, der damals „City of Heroes“ das Genick gebrochen hat – leider, wie ich sagen muss. Ich mag das Spiel nämlich und vor allen Dingen mochte ich die Supergruppe, in der ich war. Doch ich hatte einfach irgendwann nicht mehr die Zeit für das Spiel und CoH war zwar ein nettes Spiel, aber mir dann doch keine monatliche Abo-Gebühr wert – was sehr schade ist. Vermutlich ist das auch ein Grund, warum ich von DCUO so begeistert bin, denn es bietet mir ähnliches wie CoH, wenn auch auf andere Weise, und hier habe ich jetzt die Möglichkeit, sorgenfrei einzuloggen, egal wann ich Lust habe. Toll!

Der wichtigste Punkt für meinen Entschluss war jedoch, dass mir das Spiel Spaß machte bisher. Es gab eigentlich keinen Moment, in dem ich dachte: „Och nö“ – na gut, doch, ein wenig am Anfang, weil ich mich erst auf die Steuerung einschießen musste, ich einige Interface-Sachen doof fand, den Chat immer noch reichlich dämlich finde und solche Sachen, aber das sind eben Kleinigkeiten. Im Großen und Ganzen habe ich bemerkt, dass wenn ich eingeloggt war, ich ganz schnell die Zeit vergessen habe und noch eine Mission und noch eine Mission spielen wollte. Das ist ein gutes Zeichen. Ob sich das hält? Ich weiß es nicht.

Es würde sehr lange dauern, bis es sich finanziell wirklich rentiert, das LTA abgeschlossen zu haben. Aber ich denke dennoch, dass es sich gelohnt hat – zumindest aus der Spaß-Sicht heraus. Ich persönlich bin nämlich bisher mit DCUO als „Nebenbeispiel“ extrem zufrieden. Auch wenn der Charakter-Editor nicht so toll ist wie bei CoH, gefällt mir das Spiel einfach, denn es ist eine angenehme Abwechslung und das beste am Spiel: Es spielt sich konsolig und das macht es irgendwie… toll. Manche bemängeln gerade diesen Aspekt, aber ich finde: Funktioniert doch und macht Spaß. Allerdings bin ich auch begeisterter und eingefleischter Konsollero, weswegen ich da wohl noch einmal weniger Berührungsängste habe und mich besser darauf einstellen kann.