How to tame your story

Ein kleines Problem habe ich mit Pixar, das ich auch von Disney kenne: Sie unterhalten mich, sie fesseln mich, aber es überrascht mich alles nicht unbedingt – und dann doch wieder im Kleinen. Das ist an sich nicht schlimm, denn das Zielpublikum ist vermutlich nicht ganz so geschult im Storytelling, so dass sie die immer wiederkehrenden Mechanismen, die es bei Disney extrem offensichtlich gibt, aber eben auch bei Pixar.

Nichtsdestotrotz macht es Spaß, sich das anzuschauen, denn die Dinge, die sie machen, sind alle richtig. Da sitzen also Menschen dran, die wirklich was von ihrem Handwerk verstehen und von denen man sich viel abschauen kann. Denn solange es unterhält, solange es Spaß macht, ist das alles, was zählt. Nichts könnte mehr egal sein, als dass man die Richtung schon erahnen kann oder nicht immer überrascht ist.

Ich bin über eine recht nette Liste gestolpert: „Pixar’s 22 Rules of Storytelling“. Das sind größtenteils Sachen, die man bereits kennt, wenn man sich ein wenig mit Storytelling beschäftigt. Vieles davon ist so formuliert, dass man es auch endlich versteht, warum es so ist. Manches kann neue Anstöße geben und ein paar der Punkte haben mich manche Sachen in neuem Licht sehen lassen.

Die Liste war durchaus also Gold wert, auch wenn es nichts Neues oder Überraschendes war – womit sich der Kreis übrigens dann auch wieder schließt. Egal, wie simpilifiziert vieles in der Liste erscheint, es ist sicherlich kein Fehler, als Schreiber hin und wieder eine Auszeit zu nehmen und die Punkte sich durchzulesen. Das kann Blockaden lösen – gebe ich Brief und Siegel drauf. Bei mir hat es zumindest funktioniert.

Scripture

Ich habe lange nicht mehr mit der Hand geschrieben. Hin und wieder natürlich schon bei kleineren Notizen oder ähnlichem. Aber wirklich länger in Essay-Größe? Nein, seit meinem Studium nicht mehr und das ist auch schon ein paar Jährchen her. Um so erstaunter war ich, wie viel Schwierigkeiten es mir machte, als ich mal wieder mit der Hand schreiben musste.

Irgendwann im Studium hatte ich mir die Eigenart meines Profs angeeignet, in Großbuchstaben mitzuschreiben – das war zwar einen Tick langsamer als normal, aber dafür konnte ich meine Vorlesungsaufzeichnungen danach einwandfrei lesen und musste sie nicht mehr unnötig abschreiben. Aber wirklich voran kommt man da nicht und man kann schon gar keine Kurzgeschichte so schreiben, denn da wird man ja bekloppt!

Aber meine normale Schrift ist wirklich fürchterlich geworden. Ich habe da rätselratend danach davor gesessen und kam mir wie ein Archäologe vor, der eine uralte Hieroglyphen-Inschrift gefunden hatte. Ich übertreibe hier durchaus ein wenig – aber nicht viel.

Hinzu kommt, dass ich gemerkt habe, wie sehr ich es schätze, dass ich am Computer so schnell tippen kann, dass ich meinen Gedanken besser hinterherkomme. Da erinnere ich mich noch an eine Passage, die – glaube ich – im alten DeProfundis-Regelwerk gestanden hatte, dass Briefe schreiben eine ganz eigene Mentalität ist, denn man lässt sich viel  mehr Zeit. Ja, das stimmt. Aber ist das wirklich so gut? An sich schon, aber ich habe das Gefühl, dass ich es verlernt habe.

Gerade beim Brainstorming, beim Kurzgeschichte schreiben, müssen meine Finger zu meinen Gedanken aufschließen, müssen das zeitgleich eingeben, was mir durch den Kopf geht. Außerdem wird das ganze Verbessern so viel einfacher! Während jede Änderung bei einem handschriftlichen Text ihn nur noch unleserlicher macht (dazu brauche ich dann meine Handschrift noch nicht einmal mehr), kann ich beim Computer blitzschnell etwas ändern.

So sehr das handschriftliche Schreiben also mal glorifiziert wird, ich kann es nicht mehr so recht nachvollziehen. Ich bin Computerschreiber und Schnelltipper. Ich kann nicht mehr anders und hoffe, dass meine Mitmenschen nicht all zu sehr unter meiner Handschrift leiden müssen – so wie ich gestern.

Let justice ring

Es gibt da ein ganz schreckliches Phänomen, das mich noch irgendwann in den Wahnsinn treibt und sicherlich für mein Magengeschwür in zehn Jahren verantwortlich sein wird: Je nachdem, wem man einen Text zuordnet, wird der Text entsprechend bewertet. Meint man, dass der Text von einer Person kommt, die man nicht ausstehen kann, dann wird man den Text auch scheiße finden – selbst wenn er nicht von dieser Person ist. Kommt der Text von einer anderen Person, die man mag, so wird man ihn auf jeden Fall nicht ganz so scheiße finden, selbst wenn er schlecht ist.

Natürlich gibt es Kriterien, an denen man einen Text beurteilen kann. Aber ich habe es nun schon in den letzten zehn Jahren – ach was, eigentlich 20 Jahren! – regelmäßig und ständig gesehen, wie ein Text massiv durch den Kontext bewertet wurde. Mag ich den Schreiber? Dann ist der Text gut oder zumindest nicht so schlimm. Kann ich den Schreiber nicht ausstehen? Dann ist der Text eine Frechheit. Will ich dem Schreiber eins reinwürgen? Dann sind die Fehler abgrundtief schlimm, die ich darin finde. Bin ich dem Schreiber wohl gesonnen? Dann werde ich wohlwollend über die Fehler hinwegsehen – sie passieren halt. Kann ich einen Regisseur nicht ausstehen, wird jeder Film von ihm mir nicht gefallen und ich werde zielsicher jeden Fehler finden. Mag ich einen Regisseur, so sehe ich über diese oder jene Kleinigkeit hinweg, denn es gibt ja so viel mehr.

Ich finde das traurig und traurig vor allem, dass wenigen Leuten dies bewusst ist. Und ich habe es schon wirklich mehrfach gesehen und erlebt – sogar „nachweisbar“. Interessanterweise haben die Leute da nämlich gerne auch mal Scheuklappen auf, selbst wenn ich ihnen händeringend etwas zu erklären versuche. Irgendwann macht mich das echt noch krank, wie wenig den Leuten bewusst ist, was für einen massiven Einfluss das Image des Schreibenden bei einem selbst auf die Bewertung eines Textes hat. Wieso ist das so wenig Leuten bewusst?

Schreiben ist nun einmal keine Mathematik, keine Null und keine Eins. Es ist keine in sich analytisch stimmige Welt (David Hume und so mit dem Unterschied zwischen den Sinneseindrücken der Welt und analytischen Wahrheit). Das sollte doch eigentlich jeder in der Schule bereits gelernt haben, wenn der Lieblingsschüler in Deutsch Müll schreiben konnte, wie er wollte, immer eine Eins bekam – ja, manchmal gehörte ich auch dazu. Und der Schüler, den man auf dem Kicker hatte, schreiben konnte, was er wollte und immer eine 4 bekam – ja, auch dazu gehörte ich mal – macht euch mit der vorherigen Klammer einen eigenen Reim darauf, warum gerade das meine These untermauert.